Der westliche Landkreis Sorau

Drahthammer

1. Das Dorf
Drahthammer (früher Drathammer) gehörte ebenfalls zur Standesherrschaft Forst-Pförten und war eines der kleinsten Dörfer im Kreis Sorau. Nur wenige von Wald umgebene Gehöfte bildeten die Siedlung.
Um 1710 soll Drahthammer als herrschaftliches Kammerdorf, von Anselm v. Promnitz an der Stelle eines alten Messingwerkes gegründet worden sein.
Für das Jahr 1732 sind die Abgaben erhalten, die die damaligen Einwohner von Drahthammer an die Herrschaft Pförten zu leisten hatten: 23 Thaler Dienstgeld, 1 ½ Thaler Spinngeld, 41/2 Thaler Silberzins, 1 Thaler Fixsteuern, 18 Zinshühner á 1 ½ Groschen und 8 Stück Garn.
Im Einwohnerverzeichnis von 1938 sind dort 13 Familien verzeichnet. Darunter vier Familien in einem Haus in der zwei Kilometer entfernten Roggaischen Mühle (auch Roggische/Roggsche/Rocksche Mühle). Zu Drahthammer, heute Proszów, nur fünf Kilometer südöstlich von Pförten gelegen, gehörte neben der genannten Mühle bis 1945 auch Althammer. 
1885 zählte der Ort nur 71 Einwohner.

(Quelle: Amtlichen Sorauer Kreisblattes vom 7.Oktober 1885).

Die Grundstücke des Dorfes selbst befanden sich fast ausnahmslos etwas abseits der heutigen, erst 1912 in Betrieb genommenen Teuplitz – Pförtener Chaussee. Am Ortseingang - von Pockuschel/Rotfelde kommend - stand auf der linken Seite ein gutsähnliches Gebäude, das Forsthaus des letzten gräflichen Försters Langenhan. Etwa gegenüber, auf der anderen Straßenseite, dann ein kleines Gasthaus. Beide Gebäude sind heute nicht mehr vorhanden.
Erwähnenswert wäre noch eine große gräfliche Zeug-Scheune, in der Geräte für die Forstwirtschaft lagerten. Sie wurde vor einigen Jahren abgerissen. Vielleicht 150 Meter nördlich des Ortskerns stößt man auf den Faulen See und ein Wohnhaus aus dern 1930er Jahren in dem der Bürgermeister wohnte. 

 

Drahthammer vor 1945


2. Die Roggaische Mühle
Das Gelände der Mühle, nordöstlich des Dorfes und ebenfalls mitten von Wald umgeben, bestand aus dem Sägemühlenhaus (mit großem Schaufelrad) und einem großen Wohnhaus mit vier separaten Eingängen. Das Wohngebäude verfügte über ein Erd- und ein Obergeschoss. Angetrieben wurde die Mühle vom kleinen Flüsschen Strang, der hauptsächlich vom Wunzen-Teich gespeist wurde.
Diese Sägemühle soll nach Aussagen Karl Domkes, eines ehemaligen Försters, nur geringe Erträge erwirtschaftet haben. Einer der ehemaligen Pächter, Gustav Knöschke, lebte um 1928 mit seiner Familie hier und führte ein bescheidenes Auskommen. Vermutlich führte die fehlende Wasserkraft des kleinen Flüsschens Strang zum Eingehen der Mühle.
Seine Bewohner arbeiteten ab den 1930er Jahren in der Forstwirtschaft des Grafen Brühl (Förster, Waldwärter, Arbeiter).

In einer historischen Quelle findet sich der Hinweis, daß diese Mühle einst eine Pulvermühle gewesen sei, die die zur Herstellung von Schwarzpulver notwendigen Zutaten Holzkohle, Schwefel und Salpeter zermahlte.
Später wurde sie zur Herrschaftlichen Schneidemühle, die die Stämme aus dem gräflichen Wald verarbeitete. Vermutlich in Bezug auf die Roggaische Mühle hatte Graf v. Brühl sich an die Wasserbehörde gewandt, damit diese effektiver arbeiten kann.  
(Quelle: Die patrimoniale Verfassung und Verwaltung der Standesherrschaft Forst und Pförten,Dr. Richard Jocksch-Poppe 1905) 
Das Wasserproblem bestand auch noch im 20. Jahrhundert. Im Sorauer Kreisblatt vom 28.7.1932 heißt es:

Die Standesherrschaft Pförten hat für sich und ihre Rechtsnachfolger im Eigentume des Mühlengrundstückes in Drahthammer bei dem unterzeichneten Bezirksausschuß beantragt, das Recht, das Wasser des Strangs mittels der Stauanlagen der Mühle bis zur Ordinate +70,20 m N.N., d.i. 0,68 m über dem Fachbaum anzustauen in das Wasserbuch einzutragen.                                                                                  Von Knesebeck Frankfurt/Oder, d. 4.7.1932
Das ehemalige Mühlen-Grundstück ist heute bewohnt. Doch einige Gebäude von damals fehlen. Das Wasser des Strang plätschert noch immer langsam und kraftlos dahin. Nordöstlich der Mühle versperren großflächige Felder den einstigen Weg Richtung Thurno.

3. Althammer, auch Alte Hamer genannt

Auf dem Gebiet des ehemaligen Althammer, etwa zwei Kilometer südlich von Drahthammer und ebenfalls am Strang gelegen, finden sich heute noch ein paar Mauer- und Schlackenüberreste. Hier stand einst ein Eisenwerk, dessen Pochwerk von Wasserkraft angetrieben, Raseneisenstein mit Hilfe von Holzfeuer schmolz.  Ortschaften der Umgebung, sogar bis nach Guhlen hin, sollen verpflichtet gewesen sein, ihr Raseneisenstein hierher zur Verhüttung zu bringen. (Quelle: Sorauer Heimatblatt 03/1959). Ein Produkt aus dieser Zeit ist noch auf dem Friedhof in Brody zu sehen. Es handelt sich um die Metallplatte/Grabtafel des Wilhelm von Eberhardt.

Grabtafel Wilhelm v. Eberhardt

Ab wann hier produziert wurde, ist nicht genau bekannt. Es könnte sein, dass der Hammer schon unter den Biebersteinern bestanden hatte.  
(Quelle: Die patrimoniale Verfassung u. Verwaltung der Standesherrschaften Forst u. Pförten, Dr. Richard Jocksch-Poppe, 1905). Eine metallene Grabplatte des  um 1770 verstorbenen Werkmeister des Alt-Hammers, Friedrich v. Elterlein, stand noch bis 1945 auf dem Pförtener Kirchhof. Daher ist anzunehmen, dass etwa ab der Mitte des 18. Jahrhunderts hier Eisen produziert worden sein könnte.
Dieses Werk liegt 1 Stunde Weges südlich von der Stadt Pförten an einem kleinen See (Hammerteich) und am Strang-Fließe das ein Abfluß ist, der Wasseransammlungen bei Teuplitz und im nördlichen Lauf durch die großen Waldungen der Standesherrschaft in die Lebus sich ergießt. Das Werk gehört zu dem Dorfe Drahthammer und besteht an Betriebswerken aus einem Hohofen (Hochofen), einem Cupolofen (Schachtofen) und einem Frischfeuer.        
(Quelle: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums NL,1854 Heinrich Karl Wilhelm Berghaus) 
In Althammer wurde nur Raseneisenerz  verarbeitet. Dieses, auch als Raseneisenstein bezeichnet, besteht aus Verfestigungen des Bodens, die sich über viele Jahrhunderte aus Flüssigkeiten, Gasen und Schwebstoffen gebildet haben. Seine Bestandteile sind vorwiegend Sand, Kies und organische Stoffe, vor allem aber Torf. In diesen Bestandteilen fanden sich große Anteile Limonit, Mangan und Phosphor. Die Gewinnung von Raseneisenstein war relativ leicht möglich, da man es mit den damaligen technischen Gerätschaften, mit Spaten und Hacke, kurz unter der Erdoberfläche finden konnte.
Zunächst gehörte das Eisenwerk zur Standesherrschaft Pförten, wurde aber später verpachtet. Der letzte Pächter Flach mußte den Betrieb 1864 aus wirtschaftlichen Gründen einstellen. Er starb im darauffolgenden Jahr in Teuplitz. Überliefert ist, daß der Angestellte Redlich als Tiergartenwärter übernommen wurde. Vom übrigen Personal ist nichts bekannt. Der Pförtener Lehrer August Neumann besuchte 1903 den Alten Hammer: Kurz vor meinem Besuch hatten Arbeiter zwei Gebäude abgerissen. An ihrer Stelle gähnten nur noch tiefe Kellerlöcher. ... ein aus Schlackensteinen errichtetes Gebäude - die Schenke - wurde nach dem I. Weltkrieg auch beseitigt, weil dort Wilderer Zuflucht  gefunden hatten. Nur eine Scheune zur Wildfütterung legte Zeugnis ab von der einstigen Siedlung. Einige verwilderte Obstbäume bezeichnen noch die Stelle, wo früher tätige Menschen geschafft hatten. Auf den Schlackenhalden wuchs reichlich Feldsalat. Um die Wohnstätten wucherten Stechapfel und Bilsenkraut. Die Gräfliche Saatzucht (Leiter Prof. Eichinger) legte um 1930 an einigen Stellen kleine Versuchsgärten an. Im I. Weltkrieg hatte eine schlesische Firma die Halden zum Teil abgebaut und aus dem unvollkommen verhütteten Teil noch viel Erz gewinnen können. Mit Pferdegespannen wurde die Schlacke zum Bahnhof in Niewerle transportiert (Zugmaschine durfte wegen Waldbrandgefahr nicht eingesetzt werden). Schließlich brachte der Abbau der Halden der Standesherrschaft noch 5.000 Mark ein, obgleich für den Doppelzentner nur 5 Pfennige gezahlt wurden. Bis 1945 gab es auf dem Pförtener Friedhof noch über 60 eiserne Kreuze, eine ganze Reihe Grabplatten und auch Grabgitter, die auf dem Althammer gegossen wurden. Das Material dieser Denkmäler hatte die Eigenschaft nicht zu verrosten.        Einige Grabplatten und -kreuze sowie Metallgitter sind heute noch auf dem Friedhof in Brody erhalten.

4. Neuhammer

Lehrer Neumann berichtet in der genannten Heimatzeitung über einen weiteren Hammer: Verhältnismäßig kurze Zeit scheint der Neuhammer bestanden zu haben. Er lag ebenfalls am Strang, nördlich von der Roggaischen Mühle, am Wege nach Thurno, unweit der Stelle, wo die Gemarkung Beitzsch begann...... Man fand dort Schlacken auf den Wegen. In späteren Jahren, als die Kreisstraße nach Sommerfeld gebaut worden war ... blieb die alte Sorauer Straße  über die Roggaische Mühle unbenutzt. Die Pförtener Herrschaft errichtete auf dem Gelände von Neuhammer die Neumühle, da sie näher  an der neuen Verkehrsstraße lag. Die Roggaische Mühle, in der nur noch ein Waldhüter wohnte, wurde später, nach dem I. Weltkrieg, zum Forsthaus. Hier wurde die Samendarre von der Forstverwaltung eingebaut. Aber auch der Neumühle war nur eine bescheidene Lebensdauer beschieden. Pächter Franz Knöschke, gebürtig aus Drahthammer, war hier letzter Müller. Als während des I. Weltkireges das Wasserrad erneuert werden mußte, hob die Verwaltung den Pachtvertrag auf. Knöschke siedelte nach Pförten über. Das Gebäude verfiel, wurde ausgeraubt, Türen Fenster, Öfen verschwanden spurlos. Förster Bothe erzählte mir, daß er bei seinen Rundgängen einmal zum Abholen bereitgestellte Dielenbretter entdeckte. Er kennzeichnete diese, sie tauchten jedoch nicht mehr auf.  Die Standesherrschaft ließ  dann das Gebäude abreißen und die Stelle mit Bäumen bepflanzen.
 

5. Messingwerk Drahthammer                                                                                                                                                                

1682 beantragte Promnitz den Bau eines neuen Hammers zwischen Althammer und der Roggaischen Mühle gelegen. Es kam zu jahrelangen Auseinandersetzungen mit der Herrschaft Forst wegen des Standortes nahe der Herrschaftsgrenze und wegen der Konkurrenz zum Neiße-Hammer.

1748 errichtete Heinrich v. Brühl einen neuen Hochofen bei  Althammer. Der Pförtener Pfarrer Teste berichtet: ...1748 wurde mit dem Bau eines neuen Hochofens begonnen wurde, weil auch der Alte Hammer eingegangen war. Bereits im August 1749 konnte das erste Eisen geschmolzen werden.  Hier wurden Erze aus dem Brandenburgischen, aber auch Import-Erze aus Sachsen verarbeitet. 

6. Die Schneidemühle

Am Dorfeingang von Drahthammer baute man auf der rechten Seite, an der Strangbrücke, eine Drahtzieherei (Neuhammer) auf. Draht wurde hier im Kaltziehverfahren durch die mit Wasserkraft des Stranges betriebenen Walzen hergestellt. Als auch diese Drahtzieherei unwirtschaftlich wurde, siedelte sich ein kleines Sägewerk an, das bis zur Eröffnung des Läsgener Sägewerkes gut zu tun hatte.

Weiterführende Informationen zu Althammer und Drahthammer: Forster Jahrbuch 2017/2018, Kristian Schmidt "Der Althammer bei Pförten.... "

Einwohnerverzeichnisse: 

Einwohnerverzeichnisse Drahthammer1928 und 1938

 Hoh Jeser

Die Schreibweise des Ortes weicht in verschiedenen Karten und Quellen voneinander ab, Hoh-Jehser, Hoh Jeser, Hohjeser oder  Hohen Jeser. Vor 1945 hatte Hoh Jeser 184 Einwohner und war nicht nur geografisch sondern auch wirtschaftlich und familiär seit jeher eng mit Pförten und der Standesherrschaft verbunden. Fährt man heute auf der Chaussee vnach Pförten, grenzen noch immer die Häuser und Grundstücke des Dorfes, das heute Jeziory Wysokie heißt, direkt an Brody. Der Ortsname beschreibt – ins Deutsche übertragen – sehr treffend die geografisch-geologische Lage des Dorfes. Jeser, auf wendisch-sorbisch Jesior, kann mit einem See übersetzt werden. Gemeint ist hier  der Pförtener See, über den sich das Dorf erhebt. Das Gelände der Ortschaft ist etwas hügelig, was erkennbar ist, wenn man in Richtung Pförten fährt und seinen Blick rechts und links der Straße schweifen lässt (Höhenunterschiede von 72 bis 110 Meter).                                                                                                                                            Der Ort wurde in einer Urkunde vom 12.2.1615 erstmals nachweislich als Hohe Jeser erwähnt. Es war ebenfalls ein Kammerdorf der Herrschaft Forst-Pförten. Hoh Jeser war in Pförten eingepfarrt, die Kinder besuchten die dortige Schule.

1708 =  12 Halbbauern, 3 Büdner, 49 Personen; 1723 =  19 Bauern, Gärtner, Büdner;   1777 =  13 Bauern/Halbgärtner und 10 Häusler;   1823  =  159 Seelen                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Der Großteil der Bevölkerung war slawischen Ursprunges. Von Nieder Jeser ist bekannt, dass sich 1850 nur noch zwei der 375 Einwohner dem Wendentum zugehörig fühlten. Wenige Jahre später, 1867, überhaupt keiner mehr. Es kann vermutet werden, dass im nahe gelegenen Hoh Jeser die Verhältnisse ähnlich gewesen sind.  

Das Dorfgericht von Hoh Jeser bestand bis 1849 aus einem Schulzen und zwei Gerichtsmännern. Die Bauern hatten noch bis etwa 1850, einmal wöchentlich mit Gespann und ein- bis fünfmal mit der Hand, je nach Größe ihres Besitzes, Frondienste zu leisten. An Abgaben waren zu leisten: 12 Taler 5 Groschen und 3 Pfennige Silberzins, 6 Groschen Ackerzins und 16 Scheffel 3 Viertel 2 Metzen Zinskorn. Der Pfarrer in Pförten erhielt 11 Scheffel 6 Metzen Roggen. 

(Quelle: Die patrimoniale Verfassung und Verwaltung der Standesherrschaft Forst u. Pförten, Dr. Richard Jocksch-Poppe, 1905).

Zur Gemeinde gehörten 1869  1.255 Morgen Land, was im Jahr 1900 etwa 314 ha entsprach. Hoh Jeser war von Wald, Feldern und Wiesen umgeben. Nur ungefähr 35 Häuser zählte die Gemeinde, die teilweise auch abseits der Chaussee standen. Im 20. Jahrhundert soll die Gemeindefläche 520 ha betragen haben  (Quelle: Amtliches Mitteilungsblatt des Bundesausgleichsamtes vom 28.2.1955; Sorauer Heimatblatt Juni 1955).

In Hoh Jeser, über dem Schloßberg, lag die gräfliche Wasserquelle.

Etwa in der Mitte des Straßendorfes stand direkt an der Chaussee eine Gaststätte mit Tanzsaal. In den letzten Kriegsjahren hatte man eine Berliner Firma im Saal einquartiert, die Munitionsteile herstellte. Beim Einmarsch der Roten Armee am 14. Februar erhielt der Saal einen Volltreffer, die Gaststätte wurde beschädigt und nach Kriegsende abgerissen.

Ein größerer Arbeitgeber, der mehrere Tischler und Maurer beschäftigte, war das Baugeschäft Valten. Direkt neben der Gaststätte  eröffnete nach dem I. Weltkrieg Paul Valten seine Firma. Sogar einige Groß-Aufträge bekam der Betrieb. Darunter war der Bau eines Kirchturmes in Sorau und die Tuchfabrik Cattien in der Sorauer Wilhelmstraße.  In Höhe des Pförtener Berges, vor der Brauerei Zeller, kaufte er 1930 Land und baute dort ein neues Firmengebäude auf. Hier war das Baugeschäft selbst (Materialien und Werkzeug), eine Tischlerei und ein kleineres Sägewerk untergebracht.  Nachdem Valten Senior sich in Teuplitz zur Ruhe gesetzt hatte, übernahm sein Sohn die gut gehende Firma. Doch 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Eine Berliner Firma nutzte  das Werksgelände später zur Einlagerung von Werkzeugen. 

Im Einwohnerverzeichnis von 1938 (aus dem Jahr 1928 ist keines vorhanden) ist der Name eines ehemaligen russischen Kriegsgefangenen des I. Weltkrieges, des Kutschers Michael Semjonow, verzeichnet. Bedingt durch die Waffenstillstandsbedingungen der Bündnispartner (Großbritanien, Frankreich, Sowjetunion) wurden Gefangene erst ab Herbst 1920 in ihre Heimatländer repatriiert.  Einige von ihnen wollten jedoch in Deutschland bleiben, arbeiteten in ihren Berufen, heirateten und integrierten sich so in die Dorfgemeinschaften. Auch in Pförten selbst lebten einige von ihnen. 

Zum Hintergrund: Das Haager Abkommen von 1907, das u.a. kriegsvölkerrechtliche Regelungen im Sinne der humanitären Behandlung Gefangener regelte, galt ebenso für die Lager Crossen und Guben. Die Lagerleitung war jeweils für die Unterbringung und Versorgung sowie für die Arbeitseinteilung der Gefangenen verantwortlich. Diese Gefangenen, so erzählten Zeitzeugen, haben einen Teich - auf der Karte von 1937 als Russen-Teich eingezeichnet - ausgehoben. Noch heute ist er, zwar etwas durch dichten Bewuchs versteckt, an der Chaussee nach Brody in Höhe des Abzweiges zur Roggaischen Mühle zu finden. Nur ein Waldweg zur ehemaligen Heideschäferei trennt ihn vom Spiegel-Teich.

Auf dem Weg nach Leipe, der am ehemaligen Gasthaus etwas ansteigt, stand die Mühle von Hoh Jeser. Sie hatte wie so viele Grundstücke in der Gegend eine wechselvolle Geschichte. Aus dem Jahr 1847 berichtet das Amtsblatt der preußischen Regierung zu Frankfurt/Oder: ....die dem Friedrich Bulian gehörende, im Hypothekenbuche von Hoh Jeser Fol. 57 verzeichnete Erbpachts-Windmühle nebst Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, Äckern und Wiesen und sonstigen Zubehörungen, soll Schuldenhalber in termino, den 20. März 1848 vormittags 10 Uhr an dieser Gerichtsstelle subhastirt werden....  Der Wert soll sich auf 2.125 Reichsthaler belaufen haben, so die Gräflich Brühlsche Justiz-Kanzlei am 24.11.1847. 

Im 20. Jahrhundert wurde die Mühle von Müller Max Heymann bewirtschaftet. Ob sie nur gepachtet oder sein Eigentum war, ist ungewiss. Doch mit großer Wahrscheinlichkeit gab es hier verwandtschaftliche Beziehungen zu der Niewerler Müller - Dynastie Heymann.

Nördlich der Forst-Pförtener Chaussee, kurz hinter dem Ortseingang nach Hoh Jeser, gab es bis 1945 eine Fuchsfarm, die vermutlich auch zur Standesherrschaft gehörte. Diese wurde von dem Geschäftsführer der gräflichen Besitzungen, Willi Tornow, verwaltet, der auch gleich nebenan wohnte. Hier wurden vorwiegend Silberfüchse gezüchtet, die gute Verkaufspreise erzielten. Ebenfalls in Nähe der Fuchsfarm wohnte der für  Hoh Jeser, Kulm, Nablath/Nahberg, Marienhain, Drahthammer und Nieder-Jeser zuständige Polizist  Josef Duringer. Ebenfalls am Ortseingang, auf der rechten Seite soll es eine Pappenfabrik gegeben haben.

Gegenüber dem ehemaligen Spritzenhaus sollen - nach einer Zeitzeugin - im Frühjahr 1945 deutsche Soldaten in einem Massengrab beerdigt worden sein.

Einwohnerverzeichnis 1938 (1928 fehlt)

Einwohnerverzeichnis Hoh Jeser 1938
Hoh Jeser1938.pdf [20.8 KB]

Abschließend sei noch auf einen nach 1990 erbauten und weit sichtbaren Turm in Hoh Jeser hingewiesen. Er soll mit EU-Mitteln auf einem der höchsten Punkte im Ort erbaut sein und ist auch auf Nachfrage öffentlich zugänglich. Wer die 174 Treppenstufen nicht scheut, kann in einer Höhe von 40 Metern weit in das Land schauen. Bei schönem Wetter hat der Besucher eine hervorragende Sicht über das riesige Waldgebiet der Pförtener Heide, über die vielen Seen und Teiche, über Sommerfeld und Forst. Gar die Kühltürme vom Kraftwerk Jänschwalde tauchen am westlichen Horizont auf.

Nicht weit vom Turm entfernt, entdeckt man unten ein einzelnes Haus, Waldhaus genannt. Einst gehörte das 1926 gebaute Sommerhaus dem wohlhabenden Forster Fabrikanten Augustin. Heute soll es eine Art Schulungszentrum, Informationszentrum und Museum sein, wo sich nicht nur Schulklassen in den vier Ausstellungsräumen über Ökologie, Wald- und Umweltschutz und Waldnutzung informieren, können. Dazu gehören ebenfalls wissenschaftliche Vorträge und Führungen sowie ein Rundgang durch den Pförtener Park. Direkt neben dem Museum werden in einem etwa zwei Hektar großem Gelände verschiedene Bäume, Gehölze und Sträucher, die alle beschriftet sind, aufgezogen. Damit wird auch ein Beitrag zum schonenden Umgang mit diesem einzigartigen und schönen Waldgebiet Pförtener Heide geleistet, in dem viele Wildtierarten noch zu Hause sind.