Der westliche Landkreis Sorau

Teuplitz, eine Stadt im Südosten von Brandenburg

Teuplitz, eine Stadt ? War nicht Teuplitz bis 1945 eher ein industriegeprägtes Dorf, etwas nördlich und unweit der Autobahn Berlin – Breslau? Bereits seit 1678 besaß der Ort Stadtrecht! Doch wie Teuplitz im 17. Jahrhundert zu diesem Privileg kam, später mehr.          

Die vielen Einzelheiten, die über Teuplitz und seine Geschichte vor 1945 bekannt sind, sind auch der akribischen Arbeit des Heimatforschers Erich Schwärzel aus Kalke (Kreis Sorau), später Neu-Isenburg, zu verdanken. Im Folgenden beziehe ich mich weitgehend auf seine Veröffentlichungen im Sorauer Heimatblatt.

Nach der letzten Einwohnerzählung vor dem II. Weltkrieg lebten hier 1.409 Personen, die ihren Lebensunterhalt hauptsächlich in den ortsansässigen Betrieben (Braunkohle, Glas, Ziegelei, Brühl`sches Gut, Sägewerk Läsgen), durch Handwerk/Gewerbe und mit Kleinbauernwirtschaften verdienten. Zwei Bahnlinien (Cottbus – Sorau und Sommerfeld – Weißwasser) kreuzten hier. Ihre beiden Bahnhöfe und natürlich die Beamten der Deutschen Reichsbahn garantierten die korrekte Beförderung von Gütern und Personen, sorgten dafür, dass Letztere pünktlich ihre Arbeitsplätze in Forst, Sorau, Triebel und Sommerfeld erreichten.                                    

Teuplitz besaß zwei Kirchen, eine evangelische (existiert nicht mehr) und eine katholische, wobei der Anteil der Protestanten mit etwa 90 % geschätzt werden kann. Am Markt, neben der evangelischen Kirche, steht das erst 1886 erbaute Schulhaus, in welchem Generationen von Teuplitzern lesen und schreiben lernten (heute Wohnhaus). Um den kurzen Überblick über die Stadt zu vervollständigen, sei noch ergänzt, dass der Ort bis zu seinem verwaltungstechnischen Zusammenschluss zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus zwei eigenständigen Teilen bestand, aus Groß -Teuplitz (evangelische Kirche, Schule, Brühl`sches Gut) und aus Klein-Teuplitz (katholische Kirche, Bahnhof, Glasfabrik, Kohlegrube). Die Gemeindefläche soll zuletzt - ohne das Gut - 520 ha betragen haben (Quelle: Amtliches Mitteilungsblatt des Bundesausgleichsamtes vom 28.2.1955; Sorauer Heimatblatt Juni 1955).

Heute heißt der Ort Tuplice (Status: Dorf)  und gehört  zur Wojewodschaft Lebus. Mit seinen inzwischen eingemeindeten Dörfern Chełmica (Helmsdorf), Chlebice (Wiesenthal), Cielmów (Zilmsdorf), Czerna (Tzscheeren, ab 1937 Grünaue), Drzeniów (Drehne), Grabów (Grabow), Gręzawa (Pockuschel, ab 1937 Rotfelde), Jagłowice (Jocksdorf), Łazy (Läsgen), Matuszowice (Matzdorf), Nowa Rola (Niewerle), Świbinki (Schniebinchen) und Grabówek (Grabower Mühle) einer Siedlung ohne Ortschaftsstatus, umfasst das Gebiet etwa 65,89 km², darunter 34 % Ackerland und 54 % Waldflächen (Stand 2002) in dem insgesamt 3.138 Einwohner (2016) lebten.  Tuplice selbst soll 1.500 Einwohner haben. (Quelle: Tuplice WIKIPEDIA)

Blick auf Teuplitz (Bahnhofstr.) vor 1945 - Sammlung: Kurt Pehla

















Blick auf Teuplitz von Zwärzigs Berg - Sammlung Kurt Pehla













 1. Natur

Der Ort und seine Umgebung war und ist noch immer durch sandigen Boden, viele Seen/Teiche und dem riesigen Waldgebiet gekennzeichnet, was sich besonders westlich der Gemeinde erstreckt. Geologisch ist Teuplitz/Tuplice am nördlichen Rand des Muskauer Faltenbogens, einem flachwelligen Höhenzug, der sich beiderseits der Lausitzer Neiße erstreckt und der infolge der Eiszeit entstanden ist, einzuordnen. In Hufeisenform reicht er von Döbern über Muskau bis nach Trzebiel (Triebel).

Als das Eis große Mengen der vor ihm liegenden Sand- und Kohleschichten vor etwa 400.000 Jahren zusammenschob, bildeten sich diese Hügel heraus, deren Höhen um etwa 130 m ü.NN liegen.

Teuplitz von Nord nach Süd betrachtet weist einen Höhenunterschied von 110 zu 130 Metern auf, in ost–westlicher Ausdehnung von 123 zu 111 Metern (Quelle: google earth). Zahlreiche Gewässer fanden sich um und in Teuplitz. Hier einige der bekanntesten:

Wunzenteich: (180 Morgen), eine Stunde Fußweg westlich von Teuplitz und nur etwa 1.000 m nördlich der Bahnlinie Forst - Teuplitz gelegen. Bekannt über Teuplitz hinaus wurde dieser See durch die Wunzen-Sage.      

Ziegelteich (zur Gemarkung Läsgen gehörend): Der Teich soll  80 Morgen groß sein und im 19. Jahrhundert jährlich einmal abgelassen worden sein (Quelle: Wendische Sagen, Edmund Veckenstedt,1880).        

Biberteich: Mit einer Fläche von zwei Morgen lag dieses Gewässer ebenfalls auf Läsgener Gebiet, südlich des Verwaltungsgebäudes des Sägewerkes. Den seerosenbedeckten Teich umsäumten ringsherum hohe Bäume.  

Penkenteich (nördlich der Zilmsdorfer Straße, Fläche etwa 38 Morgen): Zeitzeugen nannten das Gewässer nur die Penken/ Pinken. Dieser Flurnamen ist slawisch-wendischen Ursprungs. Als Peng oder auch Pinken wurden gerodete Stubben genannt. 

Türkenteich: Dieser etwa nur vier Morgen große See in Groß-Teuplitz, direkt an der Zilmsdorfer Straße gelegen, wurde später zu einem Freibad ausgebaut.  

Krügerteich: Mit einer Größe von 36 Morgen ordnete er sich zwischen Pförtener Straße/Zilmsdorfer Straße/Sorauer Straße und Kirchsteg ein. Seine nördliche Seite begrenzte ein gemauertes Wehr, Flute genannt. Von hier aus konnte man den gesamten Krügerteich überblicken. Einige gutseigene Kähne, die hier ankerten, wurden zum Füttern der Fische genutzt. Die beträchtliche Ausdehnung dieses Gewässers erstreckte sich von Groß-Teuplitz bis an die Grenze zum Stadtteil Klein-Teuplitz hin. Seine nordöstliche Dammkrone mit dem schattenspendenden Baumbestand wurde gern zu Spaziergängen genutzt. Dahinter befand sich die Zilmsdorfer Straße. Der sehr fischreiche Teich wurde von den umliegenden Grubenteichen gespeist. 

Johannesteich: Größe zwei Morgen          

Donaths Lusche und Jurasch`s Teich: westlich des Bahnkreuzes Forst - Sorau und Weißwasser – Sommerfeld; wurde Opfer des Kohleabbaus     

Großteich : südöstlich von Klaukes Glashütte, der ebenfalls einer Braunkohlengrube weichen musste        

Lugteich: Größe vier Morgen     

Ahrteich: Größe fünf Morgen  

Pallasteich: Größe zwölf Morgen 

Dubrauer Teich: Größe  acht Morgen; könnte einer der Teiche am Dubraukischen Weg gelegen sein     

Heideteich: Größe zwölf Morgen      

Wiesenteich: Größe sechzehn Morgen

Alle Gewässer in und um Teuplitz zusammengenommen machten ungefähr 400 Morgen aus, nahmen etwa 15 % der Gemarkungsfläche ein.
       

Krügerteich 1936 - Sammlung Kurt Pehla

 

Einige archäologische  Funde aus dem 19. und 20. Jahrhundert in und um Teuplitz weisen auf die Besiedlung der Gegend in der Jungsteinzeit (4000 - 1750 vor Christi) , andere wieder auf die Bronze-Zeit (1750 - 800 v. Chr.) hin. Einzelne Urnen- und Hügelgräber beschrieb Hugo Jentsch, ein Gymnasiallehrer, Landeshistoriker, Urgeschichtsforscher und Mitglied der Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Altertumskunde im Jahr 1896. Im Rahmen des Autobahnbaus in den 1930er Jahren fand man mehr als einhundert vorchristliche Urnengräber, teilweise noch vollständig. Die wertvollen Stücke wurden später vom Märkischen Museum in Berlin übernommen.                                                                                                                                                                                        

An den westlichen und nördlichen Stadtrand grenzte der Brühl`sche Forst, ein riesiges Waldgebiet (zum Großteil östlich der Neiße gelegen). 

2. Geschichte

Erste gesicherte Daten über die Ansiedlung Dewplitz finden sich in den Unterlagen des Bistums Meißen. An dieser Stelle nochmal zur Erinnerung. In der Mitte des 14. Jahrhunderts hatte man begonnen, die Örtlichkeiten und die Besitztümer im Bistum zu erfassen und aufzulisten. So wird im Jahr 1346 eine Kirche in Nylwerlde (Niewerle, ca. 12 km nördlich von Teuplitz gelegen) und das Teuplitzer Gotteshaus erwähnt. Um die einfache Kirche gab es also schon einige Siedler mit ihren Hütten. Daher kann man 1346 ebenfalls als Gründungsjahr des Ortes annehmen.

Wie es mit dem Flecken Teuplitz weiterging, schildert Rudolf Lehmann (Quelle: Historischen Ortslexikon der Niederlausitz). Danach war der Ort bereits 1495 ein Vasallendorf. 1499 findet sich die Schreibweise Dewpelitz. Folgende weitere Schreibweisen sind über über die Jahrhunderte dokumentiert: (Quelle: Die Ortsnamen der NL östlich der Neiße, Eichler; Zschieschank)
1513 = Deupelitz; 1596 = Deuplitz; 1599 = Deupliz; 1757 = Deüplitz; 1846 = Dupliza                           

Demnach ist die Ortsbezeichnung eindeutig slawischen Ursprungs. Als gesichert gilt die Deutung: duplo = Höhlung, evtl. Bauernhöhle und die nicht ganz so sichere Übersetzung aus dem Begriff Tupel/Tupal, niedersorbisch tupas = stampfen. Beide Begriffe könnten auf trockengelegtes Gelände beim Bau von Behausungen hinweisen.

Im 14. Jahrhundert werden erste Grundbesitzer für das Sorauer Gebiet erwähnt. Es sind die Herren von Dewin, von Pack, von Bieberstein, sowie von Promnitz. Sie waren in den folgenden Jahrhunderten Eigentümer der Herrschaften Sorau, Forst und weiterer Güter in der Region. Als zu Beginn des Jahres 1626 in Guben die Pest grassierte, floh Ferdinand v. Bieberstein und nahm einige Zeit mit seiner Familie im Teuplitzer Gut Quartier. Am 21.09.1626 zerstörte ein Feuer das Groß-Teuplitzer Schloss, welches der ehemalige Besitzer von Berge erbaut haben soll. Ferdinand v. Bieberstein (Herrschaft Forst/Pförten) und sein Vetter und Schwager, Ulrich Wenzel v. Bieberstein, schlossen am 24.01.1651 einen Vergleich. Darin wurde Ferdinand ermächtigt, die Güter Groß- und Klein-Teuplitz, Pockuschel, Jocksdorf und Läsgen mit allem Zubehör aus der Herrschaft herauszulösen und in ein Erbe zu verwandeln. Nur auf diese Weise konnte er sie seiner Gemahlin Sofie v. Bieberstein übereignen. Später, nach Sofies Tod, erbte sie 1662 ihre Schwester Elisabeth v. Ronow, die sie wiederum wenige Jahre danach, 1668, an Herzog Christian I. von Sachsen-Merseburg abtrat.

1740 kaufte Heinrich v. Brühl, einflussreicher Minister unter Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen. den Besitz Pförten, der bis 1726 im Besitz der Familien v. Bieberstein und v. Promnitz und danach der Familie v. Watzdorf war. Durch eigene Zukäufe und Schenkungen seines Königs, erweiterte v. Brühl seinen Einflussbereich wenige Jahre später zur Standesherrschaft Forst-Pförten, wie Samuel Teske, der damalige Pförtener Pfarrer 1750 in seinen Erinnerungen notierte (Quelle: Was das Pförtener Kirchenbuch erzählt, Gerhard Abraham). 1759, also während des Siebenjährigen Krieges,  brannte es erneut in Groß-Teuplitz. Die Ursache dafür wurde nicht genannt. Fast alle Häuser wurden Opfer der Flammen, auch das Pfarrhaus mit allen Kirchenbüchern. Nur die Feldstein-Kirche blieb erhalten. 

Im 17. Jahrhundert entstand das neuere Töpferhandwerk, welches schließlich zur Verleihung des Stadtrechtes führte. Doch bis dahin war ein weiter Weg.
Die Einwohner in und um Teuplitz verarbeiteten den, gewissermaßen vor ihrer Haustür, gefundenen Ton sehr geschickt zu Haushaltsgegenständen. Besonders das Jocksdorfer Gebiet war ertragreich. Zunächst nur für den Eigenbedarf hergestellt, wuchs schnell die Nachfrage nach Krügen, Tellern usw. Die über den Eigenbedarf hinaus hergestellten Gefäße sollten auf Märkten verkauft werden. Doch um Märkte abhalten zu dürfen, waren gewisse rechtliche Voraussetzungen notwendig.
In einem Schreiben vom 17. Dezember 1660 wies Ferdinand v. Bieberstein, Besitzer der Standesherrschaft Forst-Pförten, die Töpfer zu Teuplitz und Jakobsdorf (Jocksdorf) an, einfach das Bürgerrecht der Stadt Forst zu erwerben. Das war ein geschickter Schachzug, denn als Forster Bürger sollten die Teuplitzer Töpfer keine Probleme mehr beim Verkauf ihrer Waren haben.
Doch Teuplitz schien das Forster Stadtrecht nicht recht zu helfen. 1678 schaltete sich Herzog Christian I. von Sachsen-Merseburg ein. Er stattete in jenem Jahr Teuplitz mit Stadt- und Marktrechten aus.
(Quelle: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg; Kubach und Seeger 1939) Näheres, wie es zur Verleihung des Markt- und Stadtrechts kam, darüber gibt eine Beilage einer Zeitung aus den 1930er Jahren Auskunft (Quelle: Holger Klein vom Förderverein Museum Sagar e.V ).  Der Verfasser ist unbekannt:
Das älteste Schriftstück ist ein Pergament aus dem Jahr 1673. Danach wird den Töpfern zu „Deuplitz und Jocksdorf“ vom Herzog Christian zu Sachsen erlaubt, nicht nur innerhalb des Herzogtums Sachsen die Märkte zu besuchen, sondern auch nach Schlesien zu ziehen. Alle freien und öffentlichen Märkte dürfen beschickt werden.
Es hatten sich nämlich die schlesischen Töpfer beschwert und behauptet, daß die Töpfer zu Teuplitz „Dorftöpfer“ seien,. Das muß damals eine Beleidigung gewesen sein, denn vom Herzog wird den Teuplitzern ausdrücklich bescheinigt, daß sie „das Bürger- und Meisterrecht zu Forst gewonnen und daselbst aufgenommen worden“ sind. Deshalb verfügt der Landesfürst, weil nach den eingezogenen Erkundigungen den Teuplitzer Töpfern nicht anders geholfen werden kann, daß der Ort Teuplitz das Marktrecht erhält. Dadurch wird niemandem geschadet, den Teuplitzer Töpfern aber genutzt. Es dürfen zwei Märkte stattfinden. Der erste Jahrmarkt findet am Sonntag nach Pfingsten statt, der andere am Sonntag nach Bartolomäi (24. August), so wie es anderswo Recht und Gewohnheit ist. Es wird ausdrücklich betont, daß alle Einwohner von diesem Recht des Marktes Gebrauch machen können.
Wie üblich werden die Ratsherren und der Amtmann in Forst aufgefordert, darüber zu wachen, daß dieses Recht der Teuplitzer geschützt wird.
Unterzeichnet ist die Urkunde am „22. Decembris nach Christi unseres Heilandes Geburth im Eintausend Sechshundert Dreyund Siebenzigsten Jahre (1673)

Für die Menge der hergestellten Waren reichten zwei Märkte jährlich nicht aus. Herzog Christian sah sich genötigt noch eine weitere Urkunde zum Recht zu erheben. Darin heißt es:
Teuplitz wird mit gewisser Stadtgerechtigkeit und anderen Freyheiten zu begnadigen sein, damit sie ihrer Zunften und Innungen, gleichwie in anderen Unseren Städten gewöhnlich halten und gebrauchen können.... Ordnen Wir hiermit und kraft dieses brieffs...mit gutem wiszen willen und wohlbedacht aus Landesfürstlicher Macht und gewalt, daß nunmehro von dato an und zu ewigen Zeiten dieser Orth Deuplitz.... in seinem ganzen becirk und wie er künftig gebauet und erweitert werden möchte, das Stadtrecht mit allem was davon dependiret, haben for eine Stadt geachtet gehalten, hinführo die Stadt Deuplitz genennet, sich aller und ieder Stadtprivilegien, Freiheiten, Rechten und Gerechtigkeiten...
Das Stadtrecht erstreckt sich auf bürgerliche Nahrung, Handsthierung, Handel, Wandel, Kauf, Verkauf, Backen, Schenken, Handwerk, Wochenmärkte und anderen dergleichen, darauf sich Bürger in Städten zu nehren pflegen, zuerfragen haben und gebrauchen sollen.....
Weiterhin heißt es: Der Stadt Teuplitz wird zu allen Zeiten das Recht verliehen, in jedem Jahre zwei Jahr- und Viehmärkte abzuhalten. Der erste Jahrmarkts
stag ist der Montag nach Trinitatis, der zweite am Montag nach Alt-Bartolomai. Die Viehmärkte finden jedesmal am Sonnabend vorher statt. Wöchentlich einmal ist Wochenmarkt.... Zur Urkunde haben Wir diesen brief mit eigener hand unterschrieben und mit Unsern anhangenden größeren Insiegel bekräftiget. Geschehen zu Merseburg am 10. Octobris nach Christi unseres Heilandes Geburth im Eintausend Sechshundert Acht und Siebenzigsten Jahre (1678)

Interessant ist hierbei, dass der Herzog die Stadtrechte nicht von der Größe der Ansiedlung Teuplitz abhängig machte und sie für alle Zeiten verlieh! Mit dem Dokument von höchster Stelle waren nun die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, dass die Teuplitzer Handel treiben und Zölle erheben konnten bzw. durchreisende Händler zwingen konnten, dass diese ihre Waren am Ort feil boten.

In Groß Teuplitz kam es am 13.11.1842 zu einem Großbrand, bei dem sieben Gehöfte, die Hofgebäude der Pfarre und der Schule völlig zerstört wurden (Quelle: Chronik d. Stadt und d. Standesherrschaft Forst vor und nach der Vereinigung von J.C.Schneider, 1846)

Durch Teuplitz führte die alte Handelsstraße von Görlitz über Pförten weiter nach Frankfurt an der Oder. Tuch- und Leinwandhändler nutzten den Weg regelmäßig, um ihre Produkte auf der Frankfurter Messe an den Mann zu bringen. Natürlich gab es zu jener Zeit auch ein Zollhaus. Erich Schwärzel vermutete, dass es das alte Forsthaus, nord-westlich von Teuplitz gewesen sei. Man erreichte es, wenn man am Friedhof die Bahnlinie Teuplitz–Sommerfeld überquerte. Schwärzel begründet den Standort auf standesherrschaftlichem Grund und Boden damit, dass die Zolleinnahmen der Standesherrschaft und nicht der Stadt zugute kommen sollten. Übrigens, diese Straße führt heute noch von Teuplitz komplett durch den Wald bis nach Pförten. Erst 1912 wurde die neue Chaussee gebaut, die auch Läsgen und Rotfelde/Pockuschel sowie Drahthammer mit einbindet. 


3. Kommunale Entwicklung

- Groß-Teuplitz (nördlich gelegener und ältester Ortsteil)

1708

4 Bauern, 5   Gärtner, 10 Büdner, gesamt 46 Personen

1777

3 Hüfner, 7 Gärtner und 22 Häusler   (32 Häuser)

1816

44 Grundstücke

1818

305 Einwohner

1823

312 Einwohner

1871

383 Einwohner

1900

455 Einwohner


- Klein-Teuplitz: südlicher Ortsteil mit einer bewirtschafteten Fläche von 1.319 Morgen (1869) bzw. 352 ha (1900)

1708

12 Bauern, 8   Gärtner, 1 Büdner = 51 Personen

1777

12 Bauern, 4 Halb-Bauern, 4 Gärtner,   4 Häusler

1818

168 Einwohner, 44 Feuerstellen

1823

16 Bauern, 4 Gärtner,  Büdner, 154 Personen

1840

 177 Einwohner (28 Wohngebäude)

1864

235  in 38 Wohngebäuden

1871

299 Einwohner

1900

728 Einwohner

Teuplitz Gesamt: 1925 = 1.301 Einwohner und 1939 = 1.406 Einwohner

Während die Ortsteile im Jahre 1708 in ihrer Einwohnerzahl beinahe gleich groß waren, zählte Klein-Teuplitz um die Wende zum 20. Jahrhundert etwa 60 % mehr Einwohner, was der zunehmenden Industrialisierung geschuldet war.
Bis 1849 wurden beide Teuplitzer Teile als Kammerdörfer von der Justizkanzlei Pförten, danach bis 1878 vom Kreisgericht in Forst juristisch vertreten. Später übernahm das Amtsgericht Triebel bis 1945 diese Aufgabe. 

Um 1890 wurde die Freiwillige Feuerwehr Teuplitz gegründet. Ob zu dieser Zeit schon das Feuerwehrhaus an der Triebeler Straße erbaut wurde, ist ungewiss, könnte jedoch sein. Zunächst verfügte die Wehr nur über eine Handpumpenspritze und einige Schläuche. Im Brandfall wurde das Löschwasser den Teichen und Grubengewässern der Umgebung entnommen. Nach 1925 kaufte die Gemeinde eine Motorspritze. 

Feuerwehrmänner Teuplitz, um 1935 Foto: Elfriede Hellwig














 

Ab 1858 gab es in Teuplitz einen "berittenen Gendarm", der auch die umliegenden Dörfer zu betreuen hatte. Erst nach dem I. WK - sein Status war noch immer unverändert - bekam der Polizist ein Dienst-Fahrrad.

Albrecht König, seit 1919 Gemeindevorsteher von Klein -Teuplitz, war als treibende Kraft maßgeblich an der Vereinigung beider Teile von Teuplitz beteiligt, so wird erzählt. Für Reichspost und Reichsbahn, war der Ort ohnehin schon lange eine Gemeinde. Das Kreisblatt vom 14. Februar 1923 veröffentlicht: Das Preußische Staatsministerium hat mit Einverständnis des Herrn Ministers des Innern genehmigt, daß die Gemeinde Gross-Teuplitz in die Gemeinde Klein-Teuplitz eingemeindet wird und diese Gemeinde sodann den Ortsnamen Teuplitz führt. Gleichzeitig ist genehmigt, daß der Name des Gutsbezirks Gross-Teuplitz in Teuplitz umgeändert wird.

Albrecht König war nun Gemeindevorsteher aller Teuplitzer. Als Kreistagsabgeordneter trieb er später maßgeblich die Gründung einer Gemeindevorsteher-Vereinigung im Kreis voran und wurde wegen seiner besonderen Verdienste deren Vorsitzender.                  Besonders hervorgetan hat sich König bei der Lösung eines der dringendsten Probleme damaliger Zeit. Mit dem umliegenden Kohleabbau ging auch die Grundwasserabsenkung einher. Die grundstückseigenen Brunnen versiegten mehr und mehr. Die expandierende Industrie brauchte ebenfalls täglich große Mengen Wasser. Und so gab es Engpässe bei der Wasserversorgung der Haushalte. Höchste Zeit etwas zu tun.

König beauftragte Fachkräfte, um nach einem nahegelegenen passenden Quellgebiet zu suchen. Bei Rinkendorf schien diese Quelle gegeben. Untersuchungen ergaben hier eine hervorragende Wasserqualität. Auf der Gemarkung Rinkendorf/Bernsdorf sicherte sich König vertraglich eine tägliche Untergrundentnahme von 300 Kubikmetern. Nun galt es den Bau eines gemeindeeigenen Wasserwerkes in Angriff zu nehmen und mit dem Verlegen des Rohrsystems zu beginnen. Zunächst musste Geld beschafft werden. Das Vorhaben erforderte erhebliche Investitionsmittel, die natürlich nicht aus eigenem Steueraufkommen finanziert werden konnten. Die Gemeinde verschuldete sich dafür mit einem 200.000 Reichsmark-Kredit der Boden-Kreditbank. Ein weiteres 40.000 RM Darlehen der Regierung in Frankfurt/Oder ermöglichten schließlich das Vorhaben. Da auch Zilmsdorf an das Netz angeschlossen werden sollte, gründete man 1928 den Zweckverband Wasserversorgung Teuplitz-Zilmsdorf.
Auf Zwärzigs Berg wurde eine Pumpstation errichtet. Sie sorgte für gleichmäßigen Druck in den Leitungen bis hinunter nach Groß-Teuplitz. Dann wurden sämtliche Straßen und Wege aufgebuddelt und die notwendigen Leitungen und Hausanschlüsse verlegt. Ab 1.1.1929 wurden beide Ortsteile regelmäßig und vor allem ausreichend mit Wasser in guter Qualität versorgt.

Das monatlich zu zahlende Wassergeld entsprach bei Privathaushalten der Anzahl der Wohnräume. Pro Raum wurde 1 RM erhoben. 3 Zimmer und Küche kosteten 3,50 RM. Größere Abnehmer (Fabriken, Betriebe und Handwerker) erhielten Wasseruhren und zahlten 0,50 RM/cbm (bis 250 cbm). Bei 7500 cbm Verbrauch reduzierte sich der Betrag auf 0,15 RM/cbm. Leider konnte König die Fertigstellung seines Lebenswerkes nicht mehr erleben. Kurz nach Beginn der Bauarbeiten verstarb er am 17. August 1927. Nach Königs Tod wurde Hermann Riemer (*1880 in Teuplitz geboren), der hauptberuflich in der örtlichen Glashütte arbeitete, neuer Bürgermeister. Er führte das Bauprojekt erfolgreich zu Ende und kümmerte sich um die Finanzierung, die sein Vorgänger noch angestoßen hatte. Von 1933 - 1945 war Riemer hauptamtlicher Bürgermeister.                           

Bis 1945 war Teuplitz Standesamtbezirk für Läsgen, Rotfelde/Pockuschel und Jocksdorf. Die letzte Amtsperson war Amtsvorsteher  Hans Leonhardt (Pförtener Str. 49).

In der Pförtener Straße kurz hinter Schenkers Villa, gab es einen Kindergarten.

4. Wirtschaft und Verkehr

Die sehr gute Qualität der in und um Teuplitz, auch bei Triebel/Jocksdorf  vorhandenen Ton-Vorkommen bildeten schon frühzeitig die genannte Töpferzunft heraus. Besonders Teuplitzer, auch Triebeler Töpfer, erzielten eine hohe Fertigkeit in Bezug auf Dessin, Qualität und Menge der Erzeugnisse. Zunächst hat man vorwiegend Haushalt-Gebrauchsgegenstände hergestellt, später dann Ofenkacheln.

Die Töpferinnung fixierte in einem Dokument vom 5. Mai 1691 ihre Grundsätze: So durfte sonntags niemand  arbeiten, auch  kein Feuer zum Brennen machen. Das Brennen sei so einzurichten, dass der Ofen am Sonnabend Mittag ausgebrannt ist. Bei Verstößen drohten empfindliche Geldstrafen. Auch wurde die Lehrlingsausbildung festgelegt. Die Prüfungsstücke eines Gesellen verlangten, einen Topf (Höhe eine Leipziger Elle, 60 cm) herzustellen sowie einen Kachelofen  zu setzen.

Teuplitz machte – außer durch die Handelsmärkte - von seinem Stadtrecht in den folgenden Jahrhunderten kaum, eigentlich überhaupt nicht, Gebrauch.  Die heimischen, mehrfarbig gestalteten Töpferwaren besaßen eine sehr gute Qualität und daher war der Absatz immer gesichert. Mit Krügen, Tellern, Schüsseln, Töpfen, Flaschen, und gar Leuchtern belieferte der kleine Ort später Kunden zwischen Stettin, Berlin und Dresden. Auch mit dem Bau von Öfen waren die Handwerker gut ausgelastet. Beinahe in jedem Groß-Teuplitzer Haus gab es einen Brennofen. Über die  Jahrhunderte nahm das Töpferhandwerk in Teuplitz ab. Sicher gab es mehrere Gründe hierfür. Einmal wäre da die Triebeler und Jocksdorfer Konkurrenz zu nennen. Aber auch die Herausbildung der Industrie sorgte dafür, dass Haushalt-Töpferwaren jetzt fabrikmäßig gefertigt wurden und die verbliebenen Töpfer sich vorwiegend auf den Ofenbau spezialisierten.
Das Amtliche Sorauer Kreisblatt meldete 1858 noch drei Teuplitzer Töpfermeister: August Obst, Heinrich Fleischer und Franz Martin. Einer der Fleischer-Nachkommen führte in den 1930er Jahren seine Töpferkunst den staunenden Schülern anlässlich einer Schulexkursion vor. 
Wissenschaftliche Entdeckungen und deren praktische Umsetzung in ausgereiften bzw. verfeinerten industriellen Verfahren führten besonders im 19. Jahrhundert zur wirtschaftlicher Blüte. Für die Herausbildung der Glasindustrie waren nun die im Sand befindlichen Quarze interessant und es entstanden um Teuplitz/Triebel mehrere Glashütten, die vorwiegend Flachglas produzierten. Westlich der Neiße, um Döbern zum Beispiel, spezialisierte man sich schon frühzeitig auf die Kristallherstellung. Geschickte Kleinbauern wurden so nach und nach zu Handwerkern und Industriearbeitern.
Die Dampfmaschine war inzwischen aus den Fabriken nicht mehr wegzudenken. Eisenbahnverbindungen verkürzten Transport- und Wegezeiten innerhalb Deutschlands. Zunehmende Nachfrage an feineren Gefäßen, wie Porzellan, bestimmten die Produktion. Deren Grundstoffe, ebenfalls in der Sorauer Gegend vorhanden, führten 1888 zur Gründung der weltbekannten Sorauer Porzellanfirma Carstens.
Bisher heizte man vorwiegend mit Holz und Torf. Nun, nachdem man die Möglichkeiten der Braunkohle entdeckt hatte, galt es diese in und um Teuplitz abzubauen. 
Hier konnte die Kohle damals unter besonders günstigen Bedingungen gewonnen werden, denn sie fand sich nur etwa zwei Meter unter der sandigen Oberfläche. Es folgte ein Kohleflöz von etwa sieben Metern Dicke. Ihre Qualität wird als sehr gut beschrieben, die sich besonders für das Betreiben von Glashütten eignete (Kohlegruben: 1866 Grube Johanna; 1869 Grube Wilhelmine; 1866 Grube Amalie und Grube Heinrich; Grube Antonie; 1906 Grube Germania, bei Läsgen).  Parallel zum Bergbau entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts in und um Teuplitz vermehrt Ziegeleien. Die in Tunnel- oder Ringöfen gebrannten Ziegel waren wegen ihrer Qualität über den Kreis Soraus hinaus bekannt. Bauer August Donath erhielt beispielsweise 1864 in Groß - Teuplitz die Genehmigung, einen Erdziegelofen auf seinem 26 Morgen großen Ackerplan in den Penken zu errichten. Weiter heißt es in den Bekanntmachungen des Sorauer Amtsblattes, er beabsichtige hier eine förmliche, also richtige und vorschriftsmäßige Ziegelei zu errichten. Wo diese Ziegelei einst stand, kann man aus einem Vermerk von 1878 schließen. Darin geht es um Wegerechte von Groß - Teuplitz nach Läsgen, und daß dieser Weg in den Penken an der Donathschen Ziegelei vorbeiführt. Die Ziegelei ist auf einer historischen Karte sogar eingezeichnet, nordöstlich des Penkenteiches, am Weg, der einst von der Zilsmdorfer Straße nach Läsgen führte.

Kartenausschnitt Teuplitz u. Umgebung (vor 1912)



 

Eine andere, bis 1945 noch produzierende Ziegelei, die der Eigentümerfamilie Jeschke, besaß eine ebenso lange Tradition und war gleichzeitig eng mit dem Braunkohleabbau verbunden. Hier die Vorgeschichte. Die Pförtener Brüder Cuno (*04.01.1833 in Pförten) und Heinrich Jeschke, waren in ihrer Heimatstadt mit einer Brauerei und auch in der Landwirtschaft unternehmerisch erfolgreich. Ihr Vater, Johann Gottlieb Jeschke, hatte 1837 den Neißehammer und die Neißemühle bei Scheuno vom Grafen v. Brühl gepachtet bzw. erworben und dort eine Wollspinnerei aufgebaut. Den ererbten väterlichen Besitz konnten die Söhne Heinrich und Cuno später durch einige geschickte Industriebeteiligungen erfolgreich mehren. Entsprechend kaufmännisch ausgebildet engagierten sie sich auch gesellschaftlich. Heinrich Jeschke war lange Zeit Landtagsabgeordneter. Sein Bruder Cuno wurde Mitglied der Sorauer Handwerkskammer und zog von 1890-1893 als Vertreter der Deutschen Freisinnigen Partei in den Reichstag ein. Nach 1893 – ein genaueres Datum ist nicht bekannt – verstarb er. Irgendwann entdeckten die Jeschke-Brüder auch das wirtschaftliche Potenzial der Teuplitzer Kohle, die gewissermaßen vor ihrer Haustür zu finden war. Es war also ein Geschäft in beiderseitigen Interesse, als die Jeschkes Land in Teuplitz erwarben.  Der Verkaufserlös, 50 Taler pro Morgen, damals viel Geld, lohnte sich für die Bauern.

In den 1860er Jahren hörten dann Jeschkes von der Planung einer Eisenbahnlinie von Halle über Cottbus nach Sorau. Ihr sicherer unternehmerischer Instinkt war geweckt. Sie erkannten sofort, welche Chancen sich durch Bahn und Kohle für sie eröffneten. Umgehend nutzten sie die Gelegenheit und zahlten den inzwischen selbstbewussten Bauern in einem Kaufvertrag vom 9.12.1863 sogar 150 Taler pro Morgen. Aus diesem Gelände entstand die Grube Amalie, südlich des Ortes. Und der Preis stieg weiter. Für neue Hinzukäufe mussten schon 650 Taler pro Morgen Land auf den Tisch gelegt werden. Wohl dem, der einige Morgen verkaufen konnte. 1866 erteilte man die Betriebserlaubnis für die Amalie und bald danach förderten 12 Arbeiter das schwarze Gold.                              Auch zu damaliger Zeit herrschte zwischen Unternehmern und Gemeinden nicht immer Einigkeit, insbesondere wenn es dabei auch um Wasserrechte der Bewohner ging, wie ein Schreiben  des Grubenbesitzers Cuno Jeschke aus dem Jahr 1911 beweist.

Dokumente zur Fa. C.Jeschke


Schriftverkehr des Grubenbesitzers Cuno Jeschke 1911 (Quelle: F. Tischer aus dem Landesarchiv Sachsen-Anhalt)  sowie Werbung für die Grube/Klinkerwerke Jeschke, Teuplitz aus dem Jahr 1934 (Quelle: Sorauer-Sommerfelder Heimatzeitung 06/2019)

Ebenfalls 1866, am 7. März, erteilten die Behörden den Jeschke-Brüdern die Betriebserlaubnis für ein weiteres Kohleabbaugebiet in Teuplitz, die Grube Heinrich. Das Gelände hatten die weitsichtigen Eigentümer bereits kurz nach Bekanntwerden des Eisenbahnpläne, direkt neben der Grube Wilhelmine gelegen, gekauft.

Der Streckenverlauf der Eisenbahnlinie war in den langfristigen Überlegungen der Jeschke-Brüder zunächst ein großer Unsicherheitsfaktor. Sie erkannten die enormen Möglichkeiten, die dieses neue Fortbewegungsmittel bot und waren bestrebt, all ihren Einfluss geltend zu machen, damit die Bahnlinie möglichst nah an Teuplitz verlief.
Die Halle-Sorau-Gubener Eisenbahn-Aktiengesellschaft, plante die Strecke eigentlich über Triebel, nachdem andere in Planung befindliche Trassen zunächst am Widerstand einiger anderer Städte und Gemeinden scheiterten. Zu den Widerständlern soll sogar auch Forst gehört haben, damals noch kein eigener Stadtkreis, sondern zum Kreis Sorau zugehörig.
Besonders Graf v. Brühl lehnte es kategorisch ab, sein Pförten an eine dampfende und stinkende Eisenbahnlinie anzubinden. Schweren Herzens stimmte er schließlich einer Trasse südlich des Tiergartens zu, wo die Gleise ziemlich dicht an dieses eingezäunte Gelände heranreichten. Südlich davon, blieben die urwaldähnlichen Krauschen unberührt. Unerwartete Unterstützung bekamen Jeschkes Pläne von den Triebeler Stadtvätern selbst, die den Eisenbahnbau ablehnten.  Endlich, am 1. September 1868, erfolgte der erste Spatenstich für den Eisenbahnbau in Richtung Sorau, direkt in Forst. Größtenteils in Handarbeit werkelten hunderte Arbeiter, Gleisbauer und Ingenieure. Bereits am 5. März 1870 konnten schon die ersten Arbeitszüge auf Teilstrecken verkehren und am 1. Juli 1872, andere Quellen nennen den 30. Juni 1872, war es endlich soweit. Die zunächst eingleisige Strecke wurde feierlich dem Güter- und Personenverkehr übergeben. Mit der Einweihung der Fahrstrecke nach Sorau wurden gleichzeitig die Bahnhöfe in Teuplitz, Tzschecheln und Linderode eingeweiht. Die neue Bahnstation hieß einfach Teuplitz/Niederlausitz. Bis dahin achteten die Einwohner sehr genau auf den Groß- und Klein- Unterschied. Doch bei den Menschen, im täglichen Umgang miteinander, verschwand die örtliche Unterteilung bis 1945 nicht völlig. Wie die folgende Postkarte beweist, war das Teuplitzer Bahnhofsgebäude modern und repräsentativ. Aus gebrannten Klinkern erbaut, befanden sich im Parterre neben dem Wartesaal, den Fahrkartenschaltern auch die Diensträume der Bahnangestellten sowie die Güterabfertigung. Im Obergeschoß lagen die Dienstwohnungen des Bahnhofsvorstehers und einiger Bahnbediensteten. 

1878 waren in Klein-Teuplitz 300 Menschen bei der Bahn, in den Kohlegruben und in einer Ziegelei beschäftigt (Quelle: Zeitschrift "Der Bär", Dr. Veckenstedt Cottbuser Gymnasiallehrer). 1900 besaßen die Jeschkes zwei Dampf-Ziegeleien, deren Produktion auf 4 Mio Stck. stieg. In den 1930er Jahren produzierten sie jährlich etwa 10 Mio Mauersteine und Klinker. Ihre beiden Gruben firmierten von dieser Zeit an unter "Vereinigte Amalie und Wilhelmine". 1937 arbeiteten hier 56 Bergleute, die 42.514 Tonnen Kohle förderten.

Wirtschaftlich gesehen hatten die Triebeler, bis zur Inbetriebnahme der Nebenstrecke Muskau – Sommerfeld am 1. Oktober 1897, ein Vierteljahrhundert das Nachsehen. Erst danach blühte auch in Triebel die Wirtschaft auf. Das Bahnhofsgebäude von Teuplitz wurde am 14.  Februar 1945 bei der Besetzung des Ortes durch die Rote Armee stark beschädigt und später größtenteils abgetragen.

Bahnhof Teuplitz für die Strecke Forst - Sagan Sammlung Kurt Pehla
















Bahnhof Teuplitz (Nebenstrecke Sommerfeld - Muskau - Weißwasser Sammlung Kurt Pehla










Bahnhofsgebäude Teuplitz (Nebenbahn Muskau - Sommerfeld) mit Tunnel Foto: privat, 2014

Das Bahnhofsgebäude der Nebenbahn Sommerfeld - Muskau - Weißwasser war etwas kleiner und nicht so repräsentativ. Beide Bahnhöfe waren jedoch für Reisende und den Güterverkehr leicht erreichbar. Fußgänger nutzten einen Tunnel, der von der Bahnhofstraße bis zur Helmsdorfer Straße führte und heute noch begehbar ist. So wurde Umsteigen kein Problem.

Die Gleise der Nebenbahn verließen das Bahnhofsgelände zunächst parallel mit jenen der Cottbus-Sorauer-Strecke. In Höhe der Schneekoppe schwenkten sie in einer großen Rechtskurve nach Norden ab. Sie unterquerten dabei die Triebeler Straße. Im weiteren Streckenverlauf fiel das Gelände nun ab. Auf dem kurzen Stück (1,7 km) zwischen dem Bahnhof und einem Haltepunkt in Groß-Teuplitz, in Höhe der Forster Straße, war ein Höhenunterschied von 121 m auf 107 m über NN (13 %.) zu verzeichnen. Ein angeschütteter Bahndamm, der wiederum die Friedhofsstraße, die Forster Straße und die alte Pförtener Str. überquerte, versuchte diesen Geländeunterschied ein wenig auszugleichen.

Bahnbetrieb in Teuplitz



Triebwagen der Nebenstrecke, im Vordergrund die Gewächshäuser der Gärtnerei Steinborn Foto: Steinborn/Sammlung K. Pehla


















Am 1. August 1896 zog über Teuplitz ein heftiges Unwetter mit wolkenbruchartigen Regenfällen. Die Gruben verschlammten. Über Wochen war nur eingeschränktes Arbeiten möglich. Selbst am Jahresende 1896 waren zwei Gruben in der Gegend noch immer nicht frei von Matsch und Schlamm. Da der Güter- und Personenverkehr Ende des 19. Jahrhunderts stetig zunahm, musste für die Sorauer Strecke ein zweites Gleis gebaut werden(1896/1897). Bergleute fanden so vorübergehend neue Erwerbsmöglichkeiten.

Bis zur politischen Wende war die Nebenbahn noch in Betrieb. 1989 wurde der nördliche Streckenabschnitt (Lubsko–Tuplice) und 1996 der südliche (Tuplice–Mużaków-Wschodni) für den Personenverkehr geschlossen. Im Jahr 2000 versiegte ebenfalls der Güterverkehr. Ab Sommer 2004 gab es sie faktisch nicht mehr, weil unbefahrbar. Schienen und Befestigungsschrauben fehlten, Bohlen zeugten teilweise noch vom Streckenverlauf. Deshalb entschied man 2006 alle Schienen zu entfernen.

Nachweisbar ist, dass der Ort seit 1852 auch eine eigene Brauerei besaß. 
Die Elektrifizierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts sorgte für einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung. Teuplitz, sowie 15 weitere Gemeinden östlich der Neiße wurden zunächst von Forst versorgt. Aus Gründen einer stabilen Stromversorgung wurde 1922 der Kreis Sorau in die Hände der Märkischen Elektrizitätswerke (MEW) gegeben, die in der Nähe von Sommerfeld eine 50.000 Volt Umspannstation betrieben. Nachkriegsmangelwirtschaft und Inflation bremsten den wirtschaftlichen Aufschwung nur kurz.  
 Über die Kohlegruben hinaus gab es noch folgendes produzierende Gewerbe:
- Bahnhofstr.: Teuplitzer Mahlwerke (gegründet 1875), die u.a. Thomasmehl herstellten 
- Bahnhofstr. eine Kistenfabrik
- Chausseestraße: Flachglasfabrik, später Inlett-Fabrik 
- Friedhofstr.: Hedwigshütte (Flachglasfabrik 1875 gebründet; ab 1928 auch Kristallherstellung)
- Sägewerk in Läsgen
- eine Gärtnerei
- viele Männer beschäftigte auch die Deutsche Reichsbahn (einschließlich der Werkstätten der Nebenbahn)
Beschäftigte 1925: 103 Glashütte, 78 Kohlegrube, 57 Ziegelei, 125 Holzverarbeitung
Ab 1. Mai 1878 gab es in Teuplitz eine Telegraphen-Betriebsstelle mit Fernsprechbetrieb.  1896 wurde die bisherige Postagentur in ein Postamt dritter Klasse (mit Postverwalter, vorher nur Postexpedition) umgewandelt. 1898 wird von 18 Fernsprechteilnehmern berichtet, die 14.592 Gespräche geführt haben. Zunächst territorial weit gefasst, gehörten zum damaligen Teuplitzer Ortsnetz Telefonanschlüsse in Triebel, die Güter in Zilmsdorf, Tzschecheln/Eichenrode, Tzschacksdorf, Kemnitz, Wiesenthal und Helmsdorf.  1904 waren schon 36 Teilnehmer angeschlossen. 1925 waren es 127 Fernsprech-Kunden, die über das Amt Teuplitz telefonierten. 1934 wurde das Amt auf Selbstwähl-Betrieb umgestellt (Quelle: Sorauer Heimatblatt 10/1977).

 

5. Das Teuplitzer Gut

Das Gutshaus in Teuplitz 1929 Foto:Christa Hubatsch, geb. Messow











Wenn man von dem Gelände der ehemaligen evangelischen Kirche, die es heute nicht mehr gibt, in die Zilmsdorfer Str. abbiegt, kommt man am Gutsgelände vorbei. Das Gutshaus und zwei Nebengebäude sind von der einst u-förmigen Anlage stehen geblieben. Das Herrenhaus ist vermutlich nach einem Brand 1859 neu errichtet worden.

Teuplitz Zilmsdorfer Str. vor 1945, rechts Gutsgebäude Sammlung Kurt Pehla















Folgende  Besitzer sind nachgewiesen:   

1495   v. Bieberstein (Forster Linie) bis 1667   

1667  v. Ronow     

bis 1726 v. Promnitz, danach v. Watzdorf    

ab 1740   v. Brühl    

Die letzen Gutsverwalter in Teuplitz waren : Bernhard Messow (1888 - 1938) sowie Erich Roy, Experte für Fischzucht

Zum Teuplitzer Gut zählten 1929 225 ha, davon ca. 100 ha Teiche (vorwiegend Karpfenzucht)

Am 15. September 1932 kam es gegen 16.00 Uhr beim Dreschen zu einem Brand. Auch die Triebeler Feuerwehr half beim Löschen. Es wurden insgesamt drei Scheunen mit Erntegut vernichtet.                                                                                                                                                                    

Brand auf dem Teuplitzer Gut 1932 Foto: Christa Hubatsch, geb. Messow















 

Ein weiterer Brand zwischen Teuplitz und der Neiße, vernichtete ca. 3.000 Morgen (750 ha)  Waldbestand.

Am Dienstag, den 10. Juli 1934, gegen 11.30 Uhr traf die Brandmeldung bei der Triebeler Wehr ein. Sofort machten sich zwölf Wehrmänner auf den etwa zehn Kilometer langen Weg zum Brandherd. Bereits um 12.05 Uhr, wie es das Brandprotokoll aussagt, begannen sie mit dem Löschen. Auch die Forster Wehr eilte zur Hilfe. Doch glücklicherweise ließ im Laufe des Nachmittags der Wind nach bzw. drehte ein wenig. Kurz vor Kalke konnte er daher in den Abendstunden unter Kontrolle gebracht werden. Einzelne Glutnester wurden in den darauffolgenden Tage noch beobachtet. Verursacher des Brandes soll ein 29-jähriger, geistig behinderter Mann, gewesen sein. Aus Freude am Zündeln verbrannte er an diesem heißen und trockenen Sommertag Papier im Wald. Als er merkte, was er anrichtete,  floh er und versteckte sich. Er kam später vor Gericht. Erich Schwärzel berichtet in der Sorauer Heimatzeitung: Für den Hauptgeschädigten, den Grafen von Brühl, aber war die große Frage: "Was nun?" Mit der ihm eigenen großen und schnellen Entschlusskraft fiel die Entscheidung: "Ans Werk, aufräumen und sofort aufforsten!" Schwere und arbeitsreiche Wochen und Monate brachen an, da der Einschlag der verbrannten Stämme schnell erfolgen mußte, um das Holz vor dem Verderb zu retten.... Pferde und Motoren zogen die Stämme an die Abfuhrstellen der Waldbahn. Im Sägewerk Läsgen herrschte Hochbetrieb... Zwei Förster schienen überhaupt nicht mehr zu ruhen. Friedrich Hannes und sein Sohn Ernst arbeiteten vom Hellwerden bis zum Dunkeln. Und so kam es, daß schon 1935 die ersten Flächen wieder aufgeforstet wurden. 1936 wurde der größte Teil der Aufforstungsarbeiten geschafft, deren Reste 1937 bewältigt wurden. Im Zentrum der riesenhaften Fläche aber wurde eine Eiche gepflanzt, die die "Förster Hannes-Eiche" genannt wurde. (Quelle: Sorauer Heimatblatt 08/1960)

Entstehungsort des Waldbrandes nach Beschreibung von Erich Schwärzel (Sorauer Heimatblatt 07/1960






















6. Teuplitzer Kirchen

Die evangelische Kirche

Die evangelische  Backsteinkirche stand auf dem Markt in Groß-Teuplitz, gleich neben der Schule. Sie wurde im Februar 1945 beschädigt und später abgetragen. Heute ist dieser Platz leer. Zum Teuplitzer Kirchspiel gehörten die Ortschaften: Läsgen, Pokuschel/Rotfelde und Jocksdorf.

Evangelische Kirche Teuplitz


In ihrer teilweise noch vorhandenen Feldstein-Bauweise, war das Gotteshaus nach mehrfacher Renovierung/Umbau eines der ältesten im Kreis. Ob der Turm in seiner bekannten Form ebenfalls so alt war, ist wenig wahrscheinlich. Fest steht jedoch, dass er 1753 instand gesetzt wurde, was die Jahreszahl des Wetterhahnes an der Turmspitze bezeugte. Dabei könnte sich ebenfalls seine Größe und Form geändert haben. 1798 wurde erneut am Turm gearbeitet, wobei der Text der Wunzensage entdeckt wurde. Das Kirchenschiff selbst war ein rechteckiger verputzter Feldsteinbau mit einem Satteldach. Der westliche Torvorbau entstand Ende des 19. Jahrhunderts. An der Nordost-Ecke befand sich eine tonnengewölbte Sakristei und eine Vorhalle mit Schleppdach (Quelle: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg, Kubach/Seeger, 1939) Anlässlich des 300. Gedenktages der Reformation konnte die Gemeinde sogar 500 Taler an Spenden zusammentragen, wovon zwei neue Glocken von drei und neun Zentnern angeschafft wurden. Eine dritte Kirchglocke stiftete Töpfermeister L. F. Starrost. Dieser ließ sie 1817 in Klein-Welka durch Meister Gruhl gießen. Sechs neue große Kirchenfenster wurden eingebaut und an den Haupteingängen neue Glastüren. Daneben wurde die Verkleidung der Emporen erneuert und eine neue Orgel angeschafft. Im späteren Verlauf des I. Weltkrieges mussten die Glocken geopfert, eingeschmolzen werden. 

1922/23 finanzierte Glashüttenbesitzer Karl Leser eine neue, 7,5 Zentner schwere Glocke mit einem Durchmesser von 91 cm, Kosten: 16.000 Mark. Ihr eingelassener Spruch lautete: Bittet, so wird Euch gegeben. Obersteiger Schmidt ließ es sich ebenfalls nicht nehmen und bestellte eine Glocke im Wert von 32.000 Mark (12,5 Zentner, 110 cm Durchmesser). Zur Einordnung, es war die Zeit der Inflation! Eine noch bis 1945 vorhandene Bronze-Glocke soll einen Durchmesser von 75 cm und eine Höhe von 62 cm gehabt haben, berichtet Schwärzel. Bei der Sanierung der Kirche in der Inflationszeit wurde eine elektrische Heizung eingebaut. Das Kircheninnere vermittelte mit seinem neuen und hellen Anstrich einen freundlichen Eindruck.

Die zum Kirchspiel gehörenden Dörfer hatten ihre eigenen Sitzplätze.  Teuplitzer Töpfer nahmen in einem eigenen Töpfer-Chor Platz. Alle Sitze waren mit Namen gekennzeichnet.

Hinter der Kirche stand das Pfarrhaus, welches wie folgt beschrieben wurde: ... ein zweigeschossiger Putzbau des 18. Jahrhunderts mit Satteldach und Krüppelwalm sowie Putzfeldern zwischen den Fenstern... (Quelle: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg, Kubach/Seeger, 1939) 

Links neben dem Kirchenportal, gab es bis 1945 noch einen kleinen Park (ehemals Kirchhof) mit einem Gedenkstein, der an die gefallenen Teuplitzer des I. Weltkrieges erinnerte. Er bestand aus zwei übereinander gesetzten Findlingen. Darauf eine Tafel mit den Namen der Gefallenen des I. Weltkrieges.

1676 wurden in Teuplitz vermutlich die ersten Kirchenbücher angelegt. Bei Kubach und Seeger ist dagegen die Rede von 1759. In jenem Jahr brannte beinahe der ganze Ort ab, auch das Pfarrhaus. Es könnten also beide Jahreszahlen stimmen. Von Nachbargemeinden ist bekannt, dass dort ab Mitte des 17. Jahrhunderts Kirchenbücher geführt wurden.  Kirchenrechnungen sollen  in Teuplitz noch ab dem Jahr 1749 vorhanden gewesen sein.

Wann genau sich die Reformation in Teuplitz durchsetzte, ist leider nicht schriftlich belegt. Cottbus und Forst, als Mittelpunkt protestantischen Glaubens, spielten sicher eine wichtige Rolle, sodass anzunehmen ist, dass evangelisches Gedankengut von hier aus weiter getragen wurde. Verbrieft ist jedoch, dass die Reformation bereits 1524 in Sorau, 1537 in Sommerfeld und 1538 in Forst eingeführt wurde.                                                                                                                                                                                  1878 kam Pfarrer Ernst Wilhelm Edmund Abraham mit seiner Familie nach Teuplitz. Hier wurden einige seiner sieben Kinder geboren, so auch der letzte Pförtener Pastor, Gerhard Abraham, der nach dem Krieg noch bis zu seinem Tod in Forst predigte. Leider starb Ernst Wilhelm Edmund Abraham schon 1887 an Tbc und wurde auf dem Groß-Teuplitzer Friedhof begraben. Einer der letzten Pfarrer war der aus Mainz stammende Karl Eichmann, Sohn eines Oberzahlmeisters, der sein Studium in Berlin absolvierte. Bevor er nach Teuplitz kam, war er von 1919-1926 Seelsorger in Droskau. Ihm zur Seite stand ein junger Vikar namens Freytag, der als alleiniger Seelsorger nach Eichmanns frühzeitigem Tod 1935 das Pfarramt übernahm.

Nachfolgend eine Übersicht aller protestantischen Pfarrer von Teuplitz: (Quelle: Evangelisches Pfarrerbuch für die Mark Brandenburg, Fischer,1941)

1524 - 1575            Faber, Jakob
1575 - 1589            Kischkius, Martin
1589 - 1595            Fabricius (Faber), Ambrosius
1595 - 1612            Arbeiter, Jakob
1613 - 1620            Wunderlich, Michael
1620 - 1622            Wiederauf, Christoph
1622 - 1625            Petri, Petrus
1625 - 1628            Sutorius, Jakob
1629 - 1640            Donati, Matthäus
1640 - 1647            Reiche, Martin
1647 - 1651            Hanschkovius, 
Johann
1652 - 1690            Kerstan, Johann
1690 - 1733            Peucer, Martin
1733 - 1757            Peucer, Johann Martin
1758 - 1795            Pohle, Gottlob Erdmann
1795 - 1821            Bescherer, Ernst Benjamin
1822 - 1828            Zippel, Johann Friedrich
1828 - 1845            Schlomka,Friedrich Traugott
1845 - 1854            Cattien, Gustav Friedrich Andreas
1854 - 1872            Schulze, Otto
1873 - 1878            Krüger, Wilhelm Adolf
1878 - 1887            Abraham,Ernst Wilhelm Edmund
1888 - 1926            Leisterer, Gotthilf Wilhelm
1926 - 1935            Eichmann, Karl Albert Ludwig


Konfirmation Teuplitz 28.3.1938 Foto: Sammlung Kurt Pehla

















Die katholische Kirche 

Hochzeit 14.4.1936 Foto: Barbara Hohle

Diese Kirche, ebenfalls in der Pförtener Straße, wurde zu Ostern 1936 geweiht und war Heimstatt katholischer Christen, die sich infolge der Industrialisierung, besonders zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in der Stadt und der Umgebung ansiedelten. Gut erhalten und gepflegt, wird sie heute von Katholiken aus Tuplice genutzt.                                                                                                    

Zu den Spendern des Kirchenneubaus zählten Gewerbetreibende aus dem Ort und der Umgebung. So zahlte Wassilos Sofantzis - er war Grieche und lebte seit Ende des I. WK als Elektriker im Ort - ein Kirchenfenster. Das Bauholz soll die Familie Brühl geliefert haben. Die Kircheneinweihung muss sehr feierlich gewesen sein. Die Brühl-Familie reiste mit einer Kutsche an, erzählten Zeitzeugen.                                                                                                               

  Zwei Namen sind bekannt, die hier predigten:                                             

 

  Kuratus Paul Stasch und später Kurt Rachfahl (1912 - 2002)


 

7. Die Teuplitzer Schule

Pförtener Strasse,Gebäude der ehemaligen Teuplitzer Schule; 2014 - im Hintergrund das Gasthaus "Goldener Stern" (Zschochers Gasthof) Foto: privat

Das Schulhaus stand rechts von der Kirche. Es wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Es dient heute als Wohnhaus.

Relativ spät, erst 1792, gab es in der damals noch sächsischen Niederlausitz, eine Schulordnung. In Preußen hatte Friedrich Wilhelm I. bereits 1717 die Schulpflicht eingeführt. Einzelne Städte, so auch Forst, hatten sich dem preußischen Fortschritt selbstbestimmt angeschlossen und 1746 eigene Regelungen erlassen. In den ländlichen Bereichen wartete man ab. Es war ohnehin nicht gern gesehen, wenn Kinder ihre Zeit sinnlos auf einer Schulbank absaßen, während sie in der eigenen Wirtschaft bzw. auf den Rittergütern als Arbeitskräfte fehlten. Außerdem fürchteten viele Gemeinden die finanziellen Belastungen. Dementsprechend groß waren die Anstrengungen, Schulen zu gründen.

Ländlichen Widerstand gab es aber auch auf preußischem Gebiet bis Friedrich am 12. 8. 1763 das General-Landschul-Reglement erließ. Ob es Zufall war oder ob die Brühl-Familie dem Preußen absichtlich zuvorkommen wollte – seit dem Zerstören seiner Güter, u.a. auch 1758 in Pförten, waren beide spinnefeind - jedenfalls erließ Brühl zwei Tage vor seinem Rivalen eine moderne und mustergültige Schulordnung für seine Standesherrschaft Forst-Pförten, die damit auch in Teuplitz bis zum Ende der sächsischen Zugehörigkeit galt. In der Gräflich von Brühl`sche Schulordnung vom 10. August 1763 konstatierte er, daß seine Unterthanen seit geraumen Jahren einen großen Verfall des Christentums und die gröbste Unwissenheit in den göttlichen, wie auch gemeinen Dingen zeigen. Als Grund sah er die Unerfahrenheit beim Lesen und Schreiben und der zunehmend ruchlose, ärgerliche und unanständige Lebenswandel sowie der seit einiger Zeit einreißende Ungehorsam und die Widersetzlichkeit gegen die Obrigkeit und deren heilsame Befehle an.
Männer mit theologischer bzw. musikalischer Ausbildung wurden Pfarrer oder Kantor, besuchten entsprechende Bildungsanstalten. Zunächst fungierten sie auch noch als Lehrer. Doch es gab auch Schneider, Schuster oder Schmiede, also einfache Handwerker, die sich als Lehrer ausgaben, gar ein Zeugnis vorwiesen. Im Sommer wurde meistens gar kein Schulunterricht gegeben und im Winter, bei großer Kälte, fiel er ebenfalls öfters aus. Manche Lehrkräfte schienen auch selbst nicht die beste Arbeitseinstellung zu besitzen. Pflichtbewusste unter ihnen stießen besonders in den Erntemonaten bei den Bauern auf großen Widerstand, weil die Kinder bei der Feldarbeit fehlten. Wie mit jeder Neuerung begannen mit der Gründung von Schulen auch die Schwierigkeiten.
Zunächst waren Pfarrer in Personalunion auch Lehrer. Noch herrschte Leibeigenschaft. Außerdem existierte keine einheitliche Ausbildung für Lehrer und die Qualität der theologischen Absolventen war unterschiedlich. Die Familie v. Brühl und damit die Herrschaft Forst-Pförten war in dieser Hinsicht fortschrittlich. So wundert es nicht, dass sie ein eigenes Konsistorium gründeten, das Prüfungen der Pfarrer und Schulmeister, die meist ebenfalls als Organisten fungierten, abnahm und verpflichtete. Dies war für die Kirchdörfer in der Standesherrschaft, wie auch für Groß Teuplitz, vorteilhaft.

Brühl legte aus diesen Gründen strenge Kriterien an künftiges Lehrpersonal. Guter Leumund, frommer und christlicher Lebenswandel bildeten die Einstellungsvoraussetzungen. Ebenso erwartete man, dass sich der Lehrer aller ärgerlichen Gelage und den öffentlichen Schenkhäusern enthalten soll. Als Strafe wurde Entlassung angedroht. Kontrolliert sollten die Lehrer durch die örtlichen Pfarrer werden, die entsprechende jährliche Berichte an den Superintendenten in Forst abzugeben hatten. Schüler, die sich durch besondere Leistungen auszeichneten, sollten entsprechend belohnt werden. Als Schuldauer wurde die Zeit vom 5. Lebensjahr bis zur Konfirmation festgelegt. Natürlich wurde Schulgeld verlangt, um den Lehrer, den Schuldiener und das Schulgebäude sowie Unterrichtsmittel zu finanzieren. 

Insofern hatte v. Brühl recht gute Rahmenbedingungen geschaffen. Hier die Übersicht über die Teuplitzer Lehrkräfte:                      
1752 Langner, Johann David

1758 Wiedner, Johann Georg
1763 Schilling,Johann Christoph
1766 Leander,Johann Gottlieb
1785 Leander, Ernst Gotthelf
1800 Gattig,Johann Gottlieb Friedrich
1801 Hesse,Wilhelm Traugott
1835 Orpky, Friedrich
1883 Klintzsch, Paul
1884 Baltin,Johann
1887 Bergmann, Paul; Nißnick,Paul
1888 Werner, Gustav
1888 Lange, Max
1891 Klahre,Ewald
1892 Brummack,Ernst
1892 Schröter, Hermann
1895 
Noack, Karl
1896 Ullrich Gustav
1910 Albin, Max
1918/19 Lehmann, Richard
1925 Kippferling, Oswald; Strese, Willi; May, Selma; Schäfer, Emmy

Ebenfalls in der Pförtener Straße, zwischen der Feld-und der Grenzstraße gelegen, gab es eine Turnhalle sowie einen Sportplatz.

Schule Teuplitz


8. Teuplitzer Vereinsleben/Gasthäuser

Es gab im Wesentlichen drei Gasthäuser: In der Bahnhofstraße das Hotel und Gasthaus Jurka, in der Pförtener Straße das Gasthaus Pächnatz und neben der evangelischen Kirche das Gasthaus Zschocher.

Das Gebäude des damaligen Hotels zum "Goldenen Krug" war und ist auch heute noch, eines der größten und höchsten in der Bahnhofstraße. 1872, nach Inbetriebnahme der Bahnlinie, wurde das Haus von August Zeidler, dem damals auch die Schenke in Helmsdorf gehörte, erbaut. Es folgten zwei weitere Eigentümer namens Blase und Fürl, und schließlich Hermann Jurka (11.6.1886 – 16.02.1970). Das Erdgeschoss diente komplett dem Gaststättenbetrieb. Neben dem Gastraum verfügte es über einen großen Veranstaltungs- und Tanzsaal sowie über einen großen Garten, in dem die Gäste in den Sommermonaten ebenfalls im gemütlichen Ambiente bedient wurden. Der Saal wurde vielfältig genutzt. Hier probte der Teuplitzer Gesangsverein. Volks- und Schützenfeste klangen hier aus. Junge Männer mussten sich hier zur Musterung für den Wehrdienst einfinden bzw. Kinder zur alljährlichen Impfaktion. Sonntags verwandelte sich Jurkas großer Tanzsaal in ein Kino. Das war schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts so, als auch im ländlichen Bereich Filmvorführungen Mode wurden. Dazu reisten Filmvorführer extra aus Forst an.

Jurkas Hotel um 1930; Bildmitte: Postgebäude mit Telegrafengestänge Sammlung Kurt Pehla













Das Gasthaus Pächnatz verfügte über einen sehr schönen Biergarten. Direkt gegenüber, auf der anderen Straßenseite, befand sich der Teuplitzer Festplatz. Jahrmärkte mit Karussells zogen besonders Kinder an. Über mangelnde Kundschaft brauchte  diese Gaststätte ebenfalls nicht  klagen. Im Krieg hatte man das Gebäude zu einem Gefangenenlager umfunktioniert.  Im großen Tanzsaal, auf strohbedecktem Boden, mussten italienische Gefangene einige Tage ausharren, bevor sie kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee Teuplitz in westliche Richtung  verließen. Der Gasthof diente zuvor schon als Unterkunft für französische Zwangsarbeiter.  Sie arbeiteten in den Betrieben, bzw. waren Handwerkern, Bauern oder dem Gut zugeteilt. Entsprechend ihres Ausweises, konnten sie sich in einem gewissen Umkreis von Teuplitz frei bewegen. 

Gasthof Pächnatz, Pförtener Str. 1 Sammlung Kurt Pehla

Zochers Gasthof stand am Marktplatz in Groß-Teuplitz. Das Haus ist heute noch bewohnt. Viele Durstige kehrten hier ein, wenn sie vom Training auf dem Fußballplatz in der Zilmsdorfer Str. kamen. Auf diesem Platz fanden auch Freundschaftsspiele mit benachbarten Gemeinden sowie Turnwettkämpfe statt. 

Nach Einmarsch der roten Armee wurden in diesem Gebäude viele Frauen und Mädchen Opfer von Vergewaltigungen und Misshandlungen.

Zu Feiertagen, wie Fastnacht, Kirmes usw. spielten in allen drei Gasthäusern Musikkapellen zum Tanz.


Gasthof Zocher Sammlung: Kurt Pehla















Badeanstalt Teuplitz, um 1935 Foto: Rudolf Domke

Zwischen Krüger- und Penkenteich, von der Zilmsdorfer Straße aus erreichbar, hatten sich die Teuplitzer Anfang der 1930er Jahre aus dem Türkenteich eine schöne Badeanstalt geschaffen. Es gab hier einen hölzernen Sprungturm, Umkleidekabinen, Toiletten und eine Liegewiese.

Die Bahnhofstraße war die Geschäftsstraße. Ein Arzt, ein Dentist, die Apotheke, die Sparkasse, eine Autoreparaturwerkstatt und die Post waren hier zu finden. Weiterhin waren Handwerker und Geschäftsleute hier ansässig: Fotograf,  Klempner,  Elektriker,  Schmiedemeister,  Fleischer,  Bäcker, Friseur,  Uhrmacher,  Maler

Ein besonderes Ereignis ist mehreren Zeitzeugen noch in Erinnerung. In der Pförtener Heide, vier Kilometer westlich der Stadt musste 1943 ein Großraumflugzeug der Wehrmacht vom Typ "Gigant ME 323" notlanden. Es kam auf dem 1934  abgebrannten Areal zum Stehen. So ein riesiges Flugzeug hatten die Einwohner noch nie gesehen. Wegen Motorschadens hatte der Pilot, Angehöriger des Transportgeschwaders 5, es gerade noch bis zum wieder aufgeforsteten Jungkiefernbestand geschafft. Von Klein-Bademeusel aus hatte er die Not-Landung eingeleitet. Größere Jungkiefern und kleinere Birken, teilweise bereits 1,50 m hoch, wurden dabei wegrasiert. Endlich, unmittelbar an den Gleisen der Waldeisenbahn, kam das Flugzeug zum Stehen. Die Gleise sollen an dieser Stelle von den aufsetzenden zehn Rädern stark verbogen worden sein. Etwa eine Woche dauerte die Reparatur, dann startete das Flugzeug mit Kurs auf Lemberg erneut.     

Teuplitzer mit dem Piloten des Flugzeuges Sammlung Kurt Pehla















9. Forsthaus II, auch Forsthaus Hannes genannt

Etwa einen Kilometer westlich von Groß-Teuplitz, auf dem Weg zum Wunzensee, stand das Forsthaus II, welches nicht Bestandteil des  Teuplitzer Gutes war, sondern direkt der Brühl`schen Forst-Verwaltung Pförten unterstand. Es diente als Ausbildungsstätte für die Forstwirtschaft. Friedrich Hannes war hier Revierförster. 

10. Forsthaus Pechofen

Dieses Forsthaus mitten im Tiergarten und westlich des Wunzensees, gehörte verwaltungsmäßig zu Teuplitz. 1938 war hier Revierförster Friedrich Nieland gemeldet, der für den abgesperrten Bereich des Tiergartens verantwortlich zeichnete (s. Kapitel Jagdstern Pförten).

11. Friedhöfe

Vor 1945 gab es im Ort zwei Begräbnisstätten, eine in Groß Teuplitz, in der Alten Pförtener Straße, die andere in Klein-Teuplitz (Friedhofstraße). Der Friedhof in Gr.-Teuplitz wurde etwa bis 1939 genutzt. Heute findet man keine Spuren mehr davon. Tuplice soll heute  den Friedhof in der Friedhofstraße nutzen.

Teuplitz - Sammlung Pehla


Bekannte Persönlichkeiten:    

Rudolf Seidl, Kunstmaler, *1934 in Teuplitz (s. Farb-Zeichnungen beim Heimat-Gedicht)                                                                        Herbert Tzschoppe (*1927 in Teuplitz) Sohn eines Tafelglasmachermeisters; 1983 Promotion an der Pädagogischen Hochschule Potsdam zum Dr. Phil.; Vorsitzender des Rates des Bezirkes Potsdam

Verluste II. Weltkrieg: Max Wölfle und sein Sohn Helmut Wölfle; Richard Hellwig, Otto Anders

Opfer 1945 Suizid Feburar 1945: Fritz Grabowski (Bahnhofstr.) und Otto Waegner, Hauptmann a.D. (Chausseestr.) (Quelle:  Zeitzeugen)

Erschossen im Frühjahr 1945: Hans Leonhardt; Wilhelm Obst; 

Einwohnerverzeichnis Teuplitz 1928
Teuplitz 1928.pdf [84.4 KB]

 

Einwohnerverzeichnis Teuplitz 1938
Teuplitz 1938.pdf [189.6 KB]