Der westliche Landkreis Sorau

Allgemeines 

Bis 1945 zählten zum Landkreis Sorau - neben den Städten Sorau, Gassen, Christianstadt (Bober), Pförten und Triebel - 141 weitere Gemeinden, darunter einige Ortschaften westlich der Neiße (heute Spree-Neiße-Kreis bzw. Forst). Die Stadt Forst, bildete von 1897 bis 1945 als eigener Stadtkreis eine Enklave im Kreis Sorau.  Meine Heimatforschung bezieht sich jedoch auf nur auf 20 Gemeinden im Kreis Sorau östlich der Neiße.

Sommerfeld gehörte bis 1945 zum Kreis Crossen, heute zum Powiat Żarski (Kreis Sorau).

Natur

Zur Orientierung, hier ein Kartenausschnitt, welcher die Nähe der auf dieser Homepage beschriebenen Orte zueinander verdeutlicht.

Wie wasser- und waldreich die Umgebung ist, gibt dieser Kartenausschnitt nicht im vollen Umfang wieder.

Reprint der Karte Kreis Sorau 1937, Andreas Peter, Niederlausitzer Verlag Guben


Der Historiker und Heimatforscher Dr. Rudolf Lehmann veröffentlichte in einem Beitrag der "Niederlausitzer Gesellschaft "zur geologischen Charakteristik der gesamten Niederlausitz" folgendes:

Die Niederlausitz, das Gebiet zwischen Schwarzer Elster und Bober, Oder, Spree und Dahme, ist eine durch die vorletzte und letzte Vereisung geprägte Moränenlandschaft des mitteleuropäischen Flachlandes mit trockenen, meist sandigen Hochflächen und dazwischen liegenden feuchten bis sumpfigen, ehemals vielfach periodisch überschwemmten Niederungen. In urgeschichtlicher Zeit war sie meist nur spärlich besiedelt. Lediglich von mittlerer Bronzezeit bis früher Eisenzeit gab es eine dichte Besiedlung, wie zahlreiche Urnenfriedhöfe der sogenannten „Lausitzer Kultur“ erkennen lassen.

Erich Schwärzel schwärmt in mehreren Beiträgen des Sorauer Heimatblattes aus dem Jahr 1960 von "seinem" Wald: Der Kreis Sorau ist ein Waldkreis. Etwa 50 % seiner Gesamtfläche von 490 000 Morgen waren Wald. Meist Kiefernbestand in Monokultur auf dürftigem Sandboden, der 56 % der Gesamtfläche in Anspruch nahm..... Er meint, die höchste Erhebung dieses Waldgebietes seien 152,9 m gewesen.

Weiterhin  beschrieb Lehmann den nord-westlichen Kreis Sorau wie folgt:

Etwa drei Kilometer nordöstlich von Pförten erhebt sich der 103 m hohe Beitzscher Berg. Er ist als Teil einer Endmoräne aus der großen Eiszeit und vor mehreren tausend Jahren entstanden. Die Gegend zwischen Guben, Sommerfeld und Pförten bezeichnet man auch als das Gubener - Pförtener Becken. Hier gibt es etwas fruchtbareren, lehmhaltigeren Boden, als im südlicheren Teil des Kreises Sorau. Überreste eiszeitlicher Verformungen sind besonders die umliegenden Gewässer wie der Spiegelteich (südlich von Pförten), der Nablather Großteich, der Pförtener und der Zaucheler See.

Von der nördlichen Kreisgrenze bei Datten/Nieder Jeser bis dicht an die südliche Kreisgrenze bei Groß Särchen zieht sich ein riesiges Waldgebiet entlang der Neiße. Es gehörte bis 1945 zur Standesherrschaft Forst-Pförten (Grafen v. Brühl), deren wirtschaftliche Einnahmen aus verschiedenen Gütern beiderseits der Neiße, der Fischwirtschaft und der Holzverarbeitung bestanden. Die Familie Brühl war damit ein wichtiger Arbeitgeber in der Region zwischen Forst/Pförten und Teuplitz.

Auf der westlichen Neiße-Seite fielen die Gebiete der Standesherrschaft in den letzten Jahrzehnten häufig dem Kohle-Tagebau zum Opfer (z.B. Weißagk, Hornow).

In diesem Waldgebiet, einem einmaligen Stück Natur, waren viele Wildtiere und  seltene Vogelarten heimisch. Erst seit Ende des 19. Jahrhunderts durchschnitt die Bahnlinie Cottbus - Forst - Sorau und eine Autobahn (1930er Jahre) dieses einst größte zusammenhängende Waldgebiet der Lausitz.

Der Bewuchs war unterschiedlich. Bei Buchholz/Erlenholz (Bukowina/Olszyna) fühlten sich – wie der Name bereits aussagt – Buchen und Erlen besonders wohl. In weiten Teilen fand sich Mischwald. Weiter nördlich wuchsen Kiefern und Fichten besonders gut. Im Frühjahr 1945 wurde der gesamte Wald bis hin zur Neiße russisches Aufmarschgebiet. Dabei wurde auch dieses Kleinod der Natur ziemlich zerstört. Bäume wurden gerodet, Unterstände gegraben, Wege befestigt und sogar eine Landebahn südöstlich von Marienhain wurde angelegt. Unzählige Tote auf beiden Seiten, auch Zivilisten, wurden hier in Eile verscharrt.

Dank forstwirtschaftlicher Bewirtschaftung in den letzten Jahrzehnten sind die einst angelegten Wege um den Stern noch gut zu erkennen. Nur die Gebäude (gräfliches Forsthaus, Forsthaus, Scheunen, Ställe) sucht man vergeblich.

Hirsche am Pförtener Stern Foto: Gebauer














Die etwas südlich von Niewerle gelegene Ortschaft Teuplitz (heute Tuplice) liegt geologisch am nördlichen Rand des Muskauer Faltenbogens, einem flachwelligen Höhenzug, der sich beiderseits der Lausitzer Neiße erstreckt und der ebenfalls infolge der Eiszeit entstand. In Hufeisenform reicht er von Döbern über Muskau bis nach Trzebiel (Triebel). Als das Eis große Mengen der vor ihm liegenden Sand- und Kohleschichten vor etwa 400.000 Jahren zusammenschob, bildeten sich diese Hügel heraus, deren Höhen um etwa 130 m ü. NN liegen. Der  Kartograph Heinrich Karl Wilhelm Berghaus schrieb im "Landbuch der Mark Brandenburg u. des Markgraftums NL", (Band I, 1854)   über die Gegend:

In den Thälern dieser Fließe (gemeint sind hier der Strang u. die Timmnitz) liegt Torf bei Drahthammer, Drehna, Grabow, Niemaschkleba, Niewerle…  All diese Lager sind unbedeutend, größer aber ist das Lager bei Kulm, an der Timmnitz, wo ein guter Torf gestochen wird.

Wie war nun die Beschaffenheit des Ackerbodens um Niewerle herum? Wie mir berichtet wurde, soll - was die Bodenstruktur angeht  - diese zwischen den nördlich des Dorfes gelegenen Ländereien und denen, die südlich lagen, ziemlich unterschiedlich gewesen sein. Zum Beispiel gab es zwischen Niewerle und Thurno/Kulm/Dolzig sehr feuchte Wiesen. Weizen und Zückerrüben wurden mangels Ertrages von den Niewerlern selten angebaut. Roggen dagegen gedieh besonders südlich des Dorfes, auf dem Mühlfeldsehr gut. Die Äcker waren sehr sandig und wenig humusreich. Sumpfige Wiesen wurden von kleinen Bächen, die es hier sehr reichlich und auch noch immer gibt, durchzogen. Diese Natur-Gegebenheiten boten vor Jahrhunderten den Menschen wenig Anreiz zum Siedeln. Emil Plache, ein ehemaliger Niewerler Einwohner, beschrieb seine  Heimat vor vielen Jahren so (Quelle: Sorauer Heimatblatt):

Ein schmales, flaches Tal zieht sich von Eichenrode (bis 1937 Tzschecheln) über Wiesenthal (bis 1889 Niemaschkleba) bis zur Grabower Mühle. Durchzogen wird es nach Norden hin vom Üchtritz-Fließ. Ein Seitenarm dieses Tales verbreitert sich unweit der Grabower Mühle und verläuft in westlicher Richtung über Rotfelde (bis 1937 Pockuschel) bis zur ehemaligen Grafschaft Pförten hin. Das Haupt-Tal folgt nach Norden dem Üchtritzfließ und verbreitert sich bei der Droschker Mühle in einen großen, länglichen und flachen Talkessel. Östlich davon umrahmen diesen Kessel bewaldete Höhen des Gutsforstes Groß-Drehne. Langsam ansteigend erreicht der Hügel in Drehne 113 m über dem Meeresspiegel, in Jüritz 160 m. Nördlich des Talkessels befinden sich die Dolziger Berge ….  Westlich des Tales umrahmen diese Niederung die zur ehemaligen Grafschaft Brühl gehörenden Krackenberge, auch Kanonenberge genannt, mit einer Höhe von 83 m. Links des nach Forst führenden Dragonerweges, am ehemaligen Forsthaus in Rotfelde (Pockuschel), endet dieser Höhenzug.Nun fällt das Gelände wieder bis zur Dolziger Mühle langsam aber stetig und geht allmählich in einen von Wiesen, Mooren und Sümpfen durchzogenen Kiefern- und Fichtenwald über. An seiner tiefsten Stelle bildet sich dann der Dolziger See. Diese Niederungen verlaufen dann in breiter Front entlang der Tümmnitz weiter nach Nordwesten in Richtung Lubistal. In den urwüchsigen Wäldern, Wiesen und Mooren war reichlich Wild vorhanden, sodaß die Herrschaften der umliegenden Güter regelmäßig zur Jagd ausrückten.

Anmerkung: Tümmnitz (Reprint-Karte 1937) auf historischen Karten auch Timmnitz, Thamnitz oder Thummitz

Weniger bekannt ist vermutlich, dass im Kreis Sorau vor Jahrhunderten auch Wein angebaut wurde. Das Sommerfelder Anbaugebiet reichte von der näheren Umgebung der Stadt (nördlich: Göhren. Leuthen, Altwasser und südlich: Dolzig, Baudach,Niewerle, Schniebinchen, Drehne, Jüritz, Jessen, Gassen) bis über Sorau hinaus. Durch Schädlingsbefall, Hagel und Frost, besonders im Winter 1740, reduzierten sich die Anbauflächen, wurden in Ackerland/Wiesen umgewandelt. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es noch ca. 15 Weinberge im Sommerfelder Gebiet.

Wirtschaft und Verkehr

Im 17. und 18. Jahrhundert es gab in der Niederlausitz vielerorts Weinanbau. Die Gegend zählte damals schon – gemeinsam mit dem Oberrhein – zu den wärmsten Gebieten im deutschsprachigen Raum. Weinstöcke und Reben gediehen bestens. Zahllose Straßennahmen wie Weinberg/Weinbergstraße zeugten noch bis Kriegsende, zum Beispiel in Sorau und Forst, von dieser Winzertradition. Erinnert sei auch an den Scheunoer Weinberg, am südöstlichen Stadtrand von Forst.                         1727 vermeldet ein Chronist eine ungewöhnlich reiche Weinernte in Sorau. Im Jahr 1757 führte der Sorauer Ratskeller, der zu dieser Zeit als einziger das Wein-Schankrecht besaß, 31 verschiedene Sorten des Rebsaftes. 

Wie schnell sich der Weinbau rückentwickelte, zeigt das Beispiel Guben. Von 1878 bis 1885 ging die Anbaufläche um 40 % zurück. Gründe waren die zunehmende Bodenmüdigkeit durch jahrzehntelange Monokultur und Schädlinge wie die Reblaus, die immer öfter Ernten vernichtete. Hinzu kam, dass durch die Eisenbahnverbindungen schnell geschmacklich süßere und kostengünstigere Weine aus Süddeutschland beschafft werden konnten. 

Zwei kleine Flüsschen wurden zwischen Pförten und Teuplitz wirtschaftlich genutzt. Da wäre erstens die Üchtritz zu nennen, die nördlich des Kranich-Sees als Tümmnitz in die Lubst fließt. Es war ein relativ schmaler und nicht sehr tiefer Bach, der  in der Nähe von Eichenrode/ Tzschecheln (Debinka) entspringt,  sich über Wiesenthal und Tzscheeren/Grünaue sowie Niewerle bis zum Dolziger See schlängelt. Die Wasserkraft  der Tümmnitz trieb einst folgende Wasser-Mühlen an: Tzscheerener, Grabower, Pockuscheler, Droschker und Dolziger Mühle).

Zweitens, der Strang. Er speiste das Althammerwerk bei Drahthammer sowie die Roggaische Mühle und hatte zwei Zuflüsse. Einer kam nordöstlich von Triebel, floss westlich an Grünaue/Tzscheeren vorbei, dann über Rotfelde/Pockuschel. Später wurde er durch den Zufluss vom Wunzenteich (westlich von Läsgen) zum Strang. Dieser mündete schließlich zwischen den Ortschaften Beitzsch (Biecz) und Sommerfeld ebenfalls in die Lubst.

Bis 1815 gehörte die Gegend zu Sachsen. Die preußische Grenze lag am südlichen Stadtrand von Sommerfeld, an einem Forsthaus (Forsthaus zum Kuckuck). Ab 1816 herrschte  Friedrich II. hier. Das Gebiet war bis dahin kaum wirtschaftlich erschlossen. Friedrich sollte sich nun um diese, seine neuen Untertanen, kümmern. Zum Ausbau des Straßennetzes soll er eine eigenwillige Philosophie gehabt haben. Er befürchtete, dass seine Feinde im Falle eines Krieges auf gut ausgebauten Wegen zu schnell in seinem Lande vorankommen würden und ihm so weniger Zeit blieb, reagieren zu können.  Doch letztendlich sah auch er ein, dass er sich einem gut funktionierenden Wegenetz nicht auf Dauer verschließen konnte, weil es die wirtschaftliche Entwicklung seines Königreiches hemmte. 1791 hatte er bereits eine Kabinettsorder erlassen, die die Straßenbreite in Preußen festlegte:

Handelsstraßen 6 m, Postrouten 4 m und Dorfwege 2 m.

Doch über Jahre hinweg tat sich zunächst nichts. Die Niederlausitz blieb weiterhin verkehrstechnisch weitgehend unerschlossen. 

1819 gab es in allen Städten der Niederlausitz Poststationen. Eine Postkutschen - Direkt-Verbindung, die später in Vergessenheit geriet, war zum Beispiel die offizielle "Kur - Sächsische Fahrpost", die von 1701 bis 1815 zweimal wöchentlich von Leipzig über Lübben – Guben – Pförten – Niewerle bis Sorau führte. 1822 gibt es Poststationen (Pferdewechsel) in Pförten und Gassen.

1836 wurde die Postroute von Frankfurt/Oder über Crossen nach Sorau, die die "Berlin - Hirschberger Fahrpost" betrieb, eingerichtet. Vom Herbst 1840 an befuhren verdeckte Postwagen von Guben nach Sagan über Sommerfeld, Gassen und Sorau. Wie beschwerlich so eine Reise bei Wind und Wetter trotzdem war zeigt, dass eine Kutsche von Guben nach Dresden 21 Stunden benötigte. Der Fahrpreis  betrug 6 Silbergroschen (72 preußische Pfennige) pro Meile (etwa 7,5 km).                                 (Quelle:Neues Topographisch-Statistisch-Geographisches Wörterbuch des Preußischen Staats, Dr. L. Krug, 1821)

Der Sorauer Kreisbaumeister Przibilla berichtet von den Anfängen des Straßenbaus im Sorauer Land: 

.....1851 wurde die erste Chaussee eröffnet. 1880 waren 65 km Chaussee vorhanden, 1900 138 km und heute (1925) hat der Kreis Sorau  266 km Chaussee. Sämtliche bis 1925 bestehenden Strecken waren Chausseen erster Ordnung, d.h. sie waren mit einer Breite von 9 m geplant (4 m Steinbahn, 2,50 m Sommerweg, 1,50 m Materialienbankett und 1 m Fußgängerbankett)....

Der Straßenbau orientierte sich hinsichtlich der Wegführung meist an den schon seit alters her genutzten  Wegen. Für neue Trassen  hatten die Gemeinden den Grund und Boden schulden- und lastenfrei an den Kreis Sorau abgeben.

Przibilla weiter:

Die Steinbahnen der Chausseen sind zum größten Teil als Schotterbahnen hergestellt. Nur innerhalb geschlossener Ortschaften sowie dort, wo die Bodenbeschaffenheit des Untergrundes es erforderte, sind die Steinbahnen als Pflasterstrecken ausgebaut worden (198 km Schotterstraßen, 42 km Pflasterstraßen) (Quelle: Monografie deutscher Landkreise II, Landkreis Sorau, Dr. Otto Constantin u. Erwin Stein, 1925)

Auch heute trifft man noch auf diese feldsteingepflasterten Straßen in der Gegend um Niewerle, Drahthammer, Jüritz, Dolzig. Viele wurden jedoch überteert, die Sommerwege blieben weitgehend erhalten. Der Neubau von Straßen war die eine Seite. Doch wer war für deren Unterhaltung verantwortlich, wer zahlte die laufenden Kosten? Beispielsweise für die Strecke Muskau – Triebel war als Bauherr und Träger die Standesherrschaft Muskau zuständig. Die Strecke Sorau – Sagan wurde von einer Aktiengesellschaft unterhalten, die sich aus den beiden Städten gebildet hatte. Man kam auf die Idee der Anpflanzung von rund 15.000  Obstbäumen (darunter 9.121 Apfel, 1.684 Birnen, 3.050 Pflaumen und 1.340 Kirschen), deren Verpachtung zur laufenden Unterhaltung der Chausseen beitrugen. Außerdem floss noch Geld aus der seit 1925 im Deutschen Reich eingeführten Kraftfahrzeugsteuer. Diese war nötig, um den höheren Anforderungen, die der motorisierte Verkehr an den Straßenbelag stellte, wartungstechnisch gerecht zu werden. (Quelle: Monografie deutscher Landkreise II, Landkreis Sorau, Dr. Otto Constantin u. Erwin Stein, 1925)

Die Gegend war arm an Bodenschätzen. Ton und feine Sande gab es reichlich und ließen eine über den Kreis hinaus bekannte Glas,-Ton- und Porzellan-Industrie entstehen. Braunkohlegruben (Kunzendorf, Teuplitz, Ober-und Nieder-Ullersdorf) wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschlossen. Flachs, eine der ältesten Kulturpflanzen, wurde seit Jahrhunderten im Sorauer Land angebaut. Daher waren Leinewebereien zahlreich vertreten und führten zu einer bedeutenden Textilindustrie in Sommerfeld und Sorau (auch Christianstadt, Seifersdorf). 

Die wirtschaftliche Entwicklung (Glasfabriken, Kohlegruben, Ziegeleien, Tuchfabriken, Töpfereien) im Kreis Sorau erforderte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Elektrifizierung im ländlichen Bereich. Neben dem Leitungs- und Mastaufbau waren Transformatorenhäuschen in jedem Dorf zu errichten. Der größte Teil von ihnen erfüllt heute noch seinen Zweck. Zur Planung des Leitungsnetzes waren Abstimmungen mit den benachbarten Kreisen Guben, Sagan und Crossen nötig. Ein Kreisamt für Licht und Kraft wurde in Sorau gegründet. Die Pläne konnten jedoch erst nach Ende des I. Weltkrieges umgesetzt werden. 1919 wurden schon 6,5 km, 1920 82,2 km und 1921  98,9 km Leitungen oberirdisch verlegt. In dieser Zeit stieg der jährliche Stromverbrauch von 1.706.250 kWh auf 3.888.566 kWh. Die 15 westlichsten Gemeinden des Kreises, wurden zunächst von der Stadt Forst versorgt. Letztendlich wurde 1922 aus Gründen einer stabilen Stromversorgung der Kreis Sorau in die Hände der Märkischen Elektrizitätswerke (MEW) gegeben, die in der Nähe von Sommerfeld eine 50.000 Volt Umspannstation betrieben. 1923 war es auch in Niewerle soweit, der Ort wurde an das Stromnetz angeschlossen. Am Weg nach Drehne steht noch heute das Trafohäuschen.

Einen wesentlichen wirtschaftlichen Aufschwung erreichte der westliche Kreis Sorau durch den Bau einer Nebenbahnstrecke, zunächst von Sommerfeld nach Teuplitz (1897) später dann weiter nach Triebel und Muskau (1898).

Bahnhof Niewerle vor 1945 (Postkarten-Ausschnitt)

Am 1. September 1868, erfolgte der erste Spatenstich für den Eisenbahnbau in Richtung Sorau, direkt in Forst. Bereits am 5. März 1870 konnten  die ersten Arbeitszüge auf Teilstrecken verkehren und am 1. Juli 1872, andere Quellen nennen den 30. Juni 1872, wurde die zunächst eingleisige Strecke wurde feierlich dem Güter- und Personenverkehr übergeben.
Mit der Einweihung der Fahrstrecke nach Sorau wurden gleichzeitig die Bahnhöfe in Teuplitz, Tzschecheln und Linderode eingeweiht.



Eine weitere technische Erfindung Ende des 19. Jahrhunderts waren Telefon und Fernschreiber. Der Aufbau eines flächendeckenden Telefonnetzes beflügelte den wirtschaftlichen Aufschwung durch direkte Informationsübermittlung zwischen Behörden, Bahnhöfen,Postagenturen und Geschäftsleuten.

Ortsnetze/Anzahl Fernsprechteilnehmer im Kreis Sorau Stand 1904: (Quelle: Sorauer Heimatblatt 10/1977)

Linderode = 4  Pförten = 6  Benau = 23  Laubnitz = 6  Liebsgen = 22   Niewerle = 12  Ober-Ullersdorf = 5   Sablath = 3  Wellersdorf = 3  Anmerkung: Christianstadt war beim Amt Naumburg/Bober (Kreis Freistadt) und Gassen beim Amt Sommerfeld (Kreis Crossen) angeschlossen.

Am 4. April 1912 informiert der Kreis Sorau, dass ein Plan über die Errichtung einer oberirdischen Telegraphenlinie im Dorfe Niewerle bei dem Postamt in Sommerfeld vom 29.3.1912 ab vier Wochen ausliegt....

Jahre später veröffentlicht das Amtliche Sorauer Kreisblatt: Das Das Telegraphenbauamt (Cottbus) gibt bekannt: Der Plan über die Errichtung einer unterirdischen Telegraphenlinie in der Hähnchener Straße in Madlow (Cottbus) und weiter .......über Kiekebusch – Kahren – Kathlow – Adlig Dubrau – Forst –Pförten – und Gassen liegt ab 26.4.1935 vier Wochen aus.....

Somit war der Weg für eine technische Neuerung frei, die die Kommunikation, auch im ländlichen Raum verändern, sollte.

Nach 1933 gab es in jedem Dorf mindestens zwei Telefonanschlüsse.

Die industrielle Fertigung im Kreis Sorau nahm in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Aufschwung infolge verbesserter Infrastruktur in dieser doch recht ländlichen Gegend. Effektiverer Kohleabbau, Elektrizität und Dampfmaschinen erlaubten die Produktion höhere Stückzahlen.

(Quelle: Streiflichter durch die Geschichte des Kreises Sorau, Textilmuseum Forst/L)
























Darüberhinaus war die Textilindustrie sowie das holzverarbeitende Gewerbe einer der größten Arbeitgeber.

1886 wurde in Sorau eine Fachschule für Textilindustrie eröffnet (Königliche Webschule), die auch über den Kreis hinaus bekannt war. Darüberhinaus entstand 1916 das Kaiser-Wilhelm-Institut für Bastforschung

Kommunale Verwaltung                                                                                                                                      Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 wurden zahlreiche Reformen und Gesetze erlassen, um das Staatsgefüge in jeder Hinsicht zu organisieren. Die einzelnen deutschen Länder wurden territorial in Regierungsbezirke und Kreise gegliedert. So erhielt 1874 auch der Kreis Sorau seine Amtsbezirke.

Hier eine Zeittafel   

            Jahr/Zeitraum

                                        E r e i g n i s

vor 2000   Jahren

östlich der Oder siedeln Burgunder

 

Deutsche Stämme wandern westwärts, von Osten kommen slawische Stämme nach

8. Jahrhundert

Heinrich I. u. Karl d. Große  bekämpfen Slawen erfolgreich

983

Wenden-Aufstand

um 1133

Gebiete der Neumark kommen unter polnische Herrschaft

1134

Albrecht d. Bär erobert die Priegnitz  und westliche Mittelmark zurück

 

Durch die Kriegshandlungen mit Polen waren Gebiete der Neumark weitgehend unbewohnt

um 1230

Einwanderung niederdeutscher Siedler nördlich d. Warthe und Netze

1254

Konstanza, Tochter von Przemysl I. bringt einen Teil der späteren Neumark als Mitgift in die Ehe mit dem brandenburgischen

 

 Markgrafen Konrad d. Askanier

 

In den folgenden Jahrhunderten wechselten d. deutsche Ritter-orden, Hussiten,die Bischöfe von Polen u. brandenburgische   

 

Kurfürsten in dem Gebiet

1454

Mißwirtschaft zwingt d. polnischen Orden Teile d. Neumark an den brandenburgischen Kurfürsten zu verpfänden

1419 - 1438

Hussitenkriege

im 15. Jahrhundert

Lübben wird Hauptstadt der Lausitz

1524

Reformation in Sorau

1537

Reformation in Sommerfeld

1618-1648

Dreißigjähriger Krieg

1642

Schweden plündern Triebel aus u. verwüsten den Ort

1635

Teile der Lausitz werden sächsisch

1641

Schwedische Truppen verwüsten die Niewerler Kirche

1698

Gottesdienst im Sorauer Gebiet in sorbisch-wend.Sprache entfällt

1717

König Friedrich Wilhelm I. führt allgemeine Schulpflicht ein

1740

Der sächs. Minister H. v. Brühl kauft die Herrschaft Pförten 

ab 1743

Heinrich v. Brühl, lässt den Jagdstern anlegen

1756 - 1763

Siebenjähriger Krieg

 

Die deutsche Sprache wird vorherrschend im Alltag (östl.d.Neiße)

Juli 1759

Heerlager preußischer Truppen im Sommerfelder Stadtteil Klinge

1810

Preußen schafft Leibeigenschaft ab

1815/1816

Lübben verliert seinen Status als Hauptstadt u. Sitz d. Landtages

1816

Sachsen muß Teile der Lausitz wieder an Preußen abtreten

um 1830

Beginn der industriellen Revolution in   Deutschland

1848/1849

Deutsche Revolution

1864

Deutsch-Dänischer Krieg; Bau der Chaussee Forst - Pförten                      

1866

Preußisch - Deutscher Krieg; Auflösung d. Deutschen Bundes

1870/1871

Deutsch-Französischer Krieg

1871

Gründung des Deutschen Kaiserreiches

1872

Bahnstrecke Forst-Sorau wird eröffnet

1891, 10. September

Stadtfernsprechamt in Sorau mit 31 Teilnehmern eröffnet

1894

Bau der Chaussee Teuplitz - Gassen

1897

Bau der Ziegelei in  Klein-Drehne 

1.10.1897

Bahnstrecke Sommerfeld-Teuplitz  geht in den Betrieb

Juni 1898

Anschlussgleis vom Bahnhof Niewerle zur Ziegelei Klein-Drehne fertiggestellt

28.06.1914

Das österreichische Thronfolgerpaar wir in Sarajewo erschossen

01.08.1914

Deutschland erklärt  Russland u. Frankreich den Krieg

03.03.1918

Waffenstillstand Deutschlands mit Russland

11.11.1918

Waffenstillstand Deutschlands mit Frankreich u. Großbritannien

12.11.1918

Österreich proklamiert die österreichische Republik

01.11.1918

Rücktritt d. Regentschaftsrates u. Ende d. Vierten Polnischen Monarchie

28.01.1919

ein Nationalausschuß der Sorben/Wenden fordert eigenen  unabhängigen Staat

28.06.1919

Unterzeichnung des Versailler Vertrages

07.09.1923

Eine Waldeisenbahn im Pförtener Forst geht in Betrieb

1934, 4. Januar

Sorau wird auf Selbstwählfernverkehr umgestellt

Okt./Nov. 1937

Eindeutschung slawischer Ortsnamen im Kreis Sorau

1937/1938

Bau des Grabower Waldbades nahe Pockuschel/Rotfelde

4.-11.2.1945

Konferenz von Jalta

17.7.-2.8.1945

Potsdamer Konferenz der Siegermächte

17.05.1945

Zentralkomitee d.KP Polens beschließt Abtrennung d. Gebiete östl. Oder/Neiße                                                                           

20.06.1945

Vertreibung d. Deutschen aus Pförten, Hoh Jeser u. Teuplitz

21.06.1945

Vertreibung der Deutschen aus Niewerle u. Pockuschel/Rotfelde

23.06.1945

Vertreibung d. Deutschen aus Sommerfeld, Tzscheeren/Grünaue

24.06.1945

Vertreibung der Deutschen aus Schniebinchen und Jüritz

25.06.1945

Vertreibung der Deutschen aus Dolzig

1989

Bahnverkehr auf der Strecke Lubsko -   Tuplice wird eingestellt