Der westliche Landkreis Sorau

Marienhain

Man muss heute schon sehr genau hinschauen, um das Dörfchen Marianka - von Forst kommend -  nicht zu verfehlen.                      Marienhain bestand bis 1945 aus zwölf Grundstücken, alle nördlich der heute asphaltierten Chaussee gelegen. Direkt an der Chaussee standen nur ein Gasthaus und ein Zollhaus. Beide sucht man heute vergeblich.

Gasthaus Marienhain  Postkarte Sammlung Owczarek

Gasthaus Marienhain Postkarte Sammlung Owczarek
















Vom letzten Pförtener Pastor Gerhard Abraham wissen wir, dass es auf der späteren Gemarkung Marienhain vorher nur ein Forsthaus gab, welches Forsthaus am Forstnischen Weg genannt wurde. Marienhain wurde 1782 vom Feldzeugmeister Aloysius Friedrich von Brühl (31.7.1739 Dresden - 31.1.1793 Berlin), einem Sohn Heinrich v. Brühls, gegründet und erhielt seinen Namen im Gedenken an dessen verstorbene Frau Maria Teresa Potocka. Nur mühsam entwickelte sich die Siedlung. Dr. Jocks-Poppe notiert in der Patrimonialen Verfassung und Verwaltung der Standesherrschaft Forst u. Pförten 1905In der Nähe von Leipe, an der Chaussee zwischen Forst und Pförten, liegt eine kleine Kolonie, welche 1797 nur sechs kleine Nahrungen oder 37 Seelen umfaßte.        

Einwohnerentwicklung:  

1823 = 6 Häusler, 2 Einlieger und ein Forsthaus; 1846 = 38 Seelen; 1867 = 10 Häuser, 67 Personen; 1938 = 89 Einwohner                                                                                                                                                                                                                                     Die Gemeinde besaß: 1869  = 138 Morgen (34,5 ha)      1900 = 34,5 ha

Die Kinder von Marienhain besuchten die Schule in Pförten. Auch kirchlich war das Dorf Pförten zugeordnet.           

An Mettkes Gasthaus hielten nicht nur Arbeiter auf ihrem Heimweg von Forst kommend, auch die Post wurde hier angeliefert (Posthaltepunkt  lt. Amtsblatt des Regierungsbezirkes Frankfurt/Oder seit dem Jahr seit 1857). Von hier aus wurde sie auch im nahe gelegenen Wald-Dörfchen Leipe (heute eine Wüstung) ausgetragen. 

Arm, jedoch arbeitsam und sparsam, so charakterisiert der Redakteur des Forster Tageblattes die Einheimischen in den 1930er Jahren. Nicht ohne Stolz erzählte der Bürgermeister, dass es in den letzten Jahren gelungen war, neben anderen sozialen Ausgaben, ein Feuerwehrgerätehaus zu bauen, eine Handdruckspritze anzuschaffen, die freiwilligen Wehrmänner neu einzukleiden und einen Feuerlöschbrunnen anzulegen. 

Das Forster Tageblatt machte im Jahr 1939 eine Reportage über das Dorf und seinen Kinderreichtum: Vierundzwanzig Familien leben hier. Eine Familie mit 12 Kindern, eine mit 10 Kindern und jeweils eine Familie mit 8, 6 und 5 Kindern. Was war der Grund für derartigen Kindersegen? War es die gute Luft und die ruhige abgeschiedene Lage des Dorfes, daß der Klapperstorch hier besonders oft vorbeikam, fragte der Journalist? Reicher Kindersegen ist immer eine Freude für die Eltern. Besonders groß ist der Stolz, wenn alle Kinder gesund sind und prächtig gedeihen. Das kann man von den Jungen und Mädels der Familie Krumpholz in Marienhain wohl behaupten, denn alle zwölf empfingen uns, als wir unlängst einen Besuch in dem kleinen Häuschen an der Forst-Pförtener Chaussee machten, in quicklebendiger Stimmung. Jawohl, auch die Kleinen hatten erfahren, daß wir kommen würden um sie zu knipsen und als der Motor des Wagens verstummte waren es helle Kinderstimmen, die uns gar nicht leise und erwartungsvoll begrüßten. Nur das Jüngste ließ sich in seinem Mittagsschlaf nicht stören....

Im Marienhainer Forsthaus war 1938 die Familie des Revierförsters Hoßmann gemeldet. Karl Eberhard Hoßmann, geboren am 21.Februar 1904, stand in gräflichen Diensten. 

Rückkehrende Marienhainer erzählten, dass es bis zur Vertreibung kaum Zerstörungen im Ort gab, nur Plünderungen. Auf der Suche nach Möbeln und Hausrat in den Bunkern der Pförtener Heide stießen Zeitzeugen auf viele gefallene Wehrmachtssoldaten, die dann in einem Massengrab beerdigt wurden. Ein solches soll es auch in der Ritwine, kurz hinter Marienhain auf der linken Straßenseite nach Pförten geben. Heute ist die Stelle bewaldet.

Einwohnerverzeichnisse:

Einwohnerverzeichnis Marienhain 1928
Marienhain1928.pdf [47.3 KB]


Einwohnerverzeichnis Marienhain 1938


Leipe

Die Schreibweise dieses Ortsnamens änderte sich über die Jahrhunderte: Leippen, Lippa, Leipa. Übersetzt bedeutet es die Linde, (wendisch-slawischer Ursprung). Neben dem Leipe im Kreis Sorau gab es Ortschaften gleichen Namens in den Kreisen Calau, Jauer, Glogau, Frankenstein und Posen.

Der Ort  hat 1945 mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aufgehört zu existieren und ist heute eine Wüstung, die nur Insider noch finden. 1933 zählte dieses komplett von Wald umgebene Dorf 185 Einwohner, die letzte Zählung 1938 erwähnt 171 Personen. Zum Dorf gehörten noch zwei weitere Ortsteile, nämlich der Stern (s. Kapitel Pförten und Stern) und die Heideschäferei. 

Das Dörfchen  erreichte man im Wesentlichen über drei Verbindungswege. Ausgehend von Marienhain bzw. Hoh Jeser waren es nur etwa 2 km. Am Ortseingang von Leipe gab es einen kleinen Teich. Ein Bächlein umfloss den Ort.  Verließ man den Ort in östlicher Richtung, erreichte man nach etwa zwei Kilometern das Forsthaus Heideschäferei (steht ebenfalls nicht mehr). Der Weg von der Heideschäferei führte dann weiter zur Teuplitz-Pförtener Chaussee. Einige hundert Meter östlich dieses Forsthauses ging die alte Handelsstraße von Teuplitz nach Pförten vorbei. Diese ist auch heute noch sehr gut befahrbar.

Leipe selbst lag auf dem Niveau von etwa 90 m ü. NN. In Richtung Norden, nach Hoh-Jeser, stieg das Gelände auf 110 n ü. NN an. Südlich von Leipe stieg das Gelände ebenfalls an (Leiper Hang 103 m ü.NN). Die meisten Grundstücke - fast alles Bauernwirtschaften - reihten sich entlang der von West nach Ost verlaufenden „Hauptstraße“ bzw. an deren abzweigenden Wegen. Das Forster Tageblatt berichtet 1934 von einer Wanderung: 

Forster Wanderer zog es an einem schönen und milden Dezembertag nach Leipe. Auf dem Weg dorthin fanden sie eine massenhaft vorkommende, besonders graue Moosart, die kilometerweit den Waldboden bedeckt. Es könnte sich dabei um isländisch-Moos gehandelt haben. Die Besucher trafen danach auf die sich fleckenweise um das Dorf herum ausbreitenden Leiper Gärten, deren Begriffsklärung schon damals  nicht eindeutig war. Trugen die Leiper Gärten aufgrund der vielen Einzäunungen oder aber auf die von hohen Fichten umschlossenen, oft mit schönen Laubbäumen bestandenen Waldwiesen, die dem Ganzen ein parkähnliches Gepräge geben, ihren Namen. In südliche Richtung stieg nun das Gelände an. Nachdem die Gruppe einen lehmigen Hohlweg, der in einen Berg geschnitten war, hinter sich gelassen hatte, genossen sie die herrliche Aussicht auf dem Leiper Hang. 

Eine tatsächliche urkundliche Erwähnung des Ortes Leipe kann nicht genau festgestellt werden. Überliefert ist jedoch, dass ein  Ort namens Leipa in einer Urkunde der Herren von Bieberstein an Martini 1588 als ein Ort genannt wird, welcher in finanziellen Nöten war. Da die  Biebersteiner bis 1667 Herren von Forst und Pförten waren, kann angenommen werden, dass das Dorf als Besiedlung schon im 17. Jahrhundert existierte. Später, im Dreißigjährigen Krieg, ist der Ort schon einmal zu einer Wüstung geworden. Unbewohnbar und verwaist siedelten sich erst Jahrzehnte später, 1707, wieder Menschen an. 

Über die weitere Bevölkerungsentwicklung informiert Die Patrimoniale Verfassung u. Verwaltung der Standesherrschaft Forst- Pförten, von Jocksch-Poppe aus dem Jahr 1905

1708           11 Halbbauern, 2 Gärtner, 7 Büdner (37 Personen)

1718           10 Hüfner, 2 Kossäten, 7 Häusler

1723           23 Feuerstellen (Häuser)

1777           10 Ganzbauern, 4 Halbbauern, 6 Büdner, 4 Häusler (138 Personen)

1795           12 Freibauern, 9 Freibüdner, 1 Freihäusler

1810           10 Ganzbauern, 4 Halbbauern, 11 Häusler

1823           2 Großbauern, 9 Bauern, 4 Halbbauern, 4 Büdner, 1 Halbbüdner

1843           187 Seelen, 26 Häuser

1852           192 Personen

Neben der Einwohnerzahl finden wir hier ebenfalls Aussagen zu den Verhältnissen vor der Abschaffung der Leibeigenschaft. So hatten die Bauern jeweils wöchentlich drei Tage mit der Hand und drei Tage mit einem Gespann Frondienste zu leisten. Gärtner hatten das gesamte Jahr hindurch drei Tage mit der Hand zu dienen. Alle Angesessenen spannen zudem je ein Stück Garn umsonst. 2 Thaler und 18 Groschen waren als Erbzinsen, 13 Thaler 6 Groschen und 10 Pf. Silberzins sowie 1 Thaler Ackerzins und 2 Thaler Wiesenzins. Weitere Abgaben waren: 42 Scheffel 2 Viertel Zinskorn und 27 Scheffel 2 Viertel Zinshafer.

 Ab 1816 gehörte das Gebiet wieder zu Preußen, wo in der Folgezeit die Leibeigenschaft gesetzlich abgeschafft wurde.

Da Leipe aufgrund seiner Lage nur wenig ertragreiche Flächen besaß, waren die genannten Abgaben doch recht hoch und die Armut der Einwohner groß. Nach der Flurbereinigung, der sogenannten Separation, Mitte des 19. Jahrhunderts (1836-1843),  werden für das Jahr 1850 noch 6 Thaler 1 Groschen und 6 Pfg. Grundsteuer fällig.  An den Pförtener Pfarrer -  das Dorf war dorthin eingekircht - hatten die Leiper 11 Scheffel und 6 Metzen sowie an den dortigen Kantor 3 Scheffel 4,5 Metzen Roggen zu entrichten. An die Standesherrschaft waren  61 Thaler abzuführen.

1879 weist das General Adreßbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im deutschen Reich für das kleine Dorf folgende Flächen aus:

                                                  Acker         69,29  ha

                                                  Wiesen       32,19  ha

                                                  Hutung*      45,12 ha

                                                  Gesamt      146,60 ha

* Hutung entspricht einer Waldweide

Angebaut wurden auf den zum Teil entlegenen Acker- und Wiesenflächen Kartoffeln, Roggen, Hafer und Rüben. Kaum Gemüse und Flachs. Die meisten Bauern hielten sechs bis acht Kühe, die auch als Zugtiere bei der Feldarbeit genutzt wurden. Da es rings um Leipe vorwiegend Wald gab, blieben die Tiere beinahe durchgängig in ihren Ställen. Gras, Heu und Streu mussten erst  mühsam von den Wiesen herangeschafft werden. Aus Mangel an Stroh streute man in den Ställen Kiefernnadeln aus der nahen Heide ein. Die Gemeindefläche soll zuletzt 520 ha betragen haben (Quelle: Amtliches Mitteilungsblatt des Bundesausgleichsamtes vom 28.2.1955; Sorauer Heimatblatt Juni 1955).

Leipe zählte (ohne Stern u. Forsthaus Heideschäferei) bis 1945 siebenunddreißig Grundstücke. Eine Wasserleitung gab es nicht, nur Brunnen und Hand-Pumpen. 

Das Dorf war im 20. Jahrhundert wegen einer Besonderheit im gesamten Kreis Sorau bekannt. Schon die Schulkinder lernten: 

Ja.ja in Leipe, da bäckt man das Brot auf einer Seite! Der Grund ist, dass sich die Bauerngehöfte auf der "Hauptstraße" nördlich aneinander reihten, auf der gegenüberliegenden, südlichen Straßenseite standen die jeweiligen gemauerten Backöfen der Familien. Überreste, einzelne Ziegel, finden sich manchmal noch. Auf jeden Fall kann man die Standorte der Öfen anhand der Vertiefungen im Gelände erahnen. Zwischen den Backöfen stand ein Spritzenhaus. Auf dieses und auf ihre Feuerwehrmänner waren die Leiper besonders stolz. Eine Zeitzeugin erinnerte sich nur an einen kleineren Brand, als eine Scheune in Feuer aufging. Ansonsten hatte die  Leiper Wehr vermutlich nur Unterstützungsfunktion, als es 1911, 1932 und 1934 zu umfangreichen Waldbränden kam. 

Das Gasthaus an der "Hauptstraße" war der gesellschaftliche Mittelpunkt. Viele Hochzeiten, auch  Jagd-Abschluss-Feiern des Grafen Brüh fanden hier statt.

Gasthaus in Leipe Postkarte Sammlung Frank Henschel




Gasthaus in Leipe Postkarte Sammlung Owczarek
















Bis in das 20. Jahrhundert, als die Postzustellung noch nicht motorisiert erfolgte, musste diese am Gasthaus Marienhain abgeholt werden. Erst danach wurde Leipe direkt angefahren. Die Post in Leipe besorgte die Bauersfamilie Kubein. Kubeins Grundstück lag gegenüber dem Kriegerdenkmal, an der Kreuzung der Wege nach Hoh Jeser, zur Heideschäferei und nach Drahthammer.

Das Denkmal wurde am 5. Juni 1921 in schlichter Feier im Gedenken an die Gefallenen durch den Pförtener Pfarrer Abraham geweiht 

(Quelle: Gemeindeblatt der Kirchspiele Sacro, Pförten, Kohlo). 

Ob die kleine und arme Gemeinde es selbst finanziert hatte oder ob es Unterstützung aus Pförten gab, ist nicht bekannt.

Kriegerdenkmal Leipe Postkarten-Ausschnitt Sammlung Frank Owczarek

Auf der Vorderseite des Mahnmals war folgender Text eingraviert:

                                             1914-1918

                        Zum Gedächtnis unserer fürs Vaterland gefallenen Helden

                                           Die Gemeinde Leipe

                                            Rückseite:

                                      Für uns habt ihr gestritten.

                                      Schmerz, Leiden, Wunden,

                                               Tod erlitten.








An den übrigen beiden Seiten waren die Daten der Gefallenen zu lesen:

Max Mielke 7.6.1918; Emil Sünder 11.6.1918; Paul Lange 14.10.1918; Otto Schenck 23.10.1918; Gustav Sch....12.12.1918; Paul Finke 9.2.1917; Richard Merhold  ??1917; Karl Britze ?? 1917; Franz Sünder 20.12.1917            

Heute findet man an dieser Stelle nur noch einzelne Bruchstücke, von Gras überwuchert.

Über die Mutter der letzten Postzustellerin von Leipe berichtet erneut das Forster Tageblatt vom 6. Dezember 1934. Darin heißt es: Unter Leitung der Frau Kubein veranstaltete die Jugend von Leipe am Sonnabend im Schützenhause (in Pförten) einen Unterhaltungsabend, dessen Ertrag dem Orgelfonds der evangelischen Kirche zufließen sollte. Der erste Teil des Abends war auf Advent abgestimmt und brachte Gesänge, Gedichtvorträge, ein Adventsspiel und eine Aufführung „ In der Waschküche“, die fein ausgewählt waren, harmonisch zusammenstimmten und von den jugendlichen Mitwirkenden mit anerkennenswerter Hingebung, Verständnis und Geschick ausgeführt wurden. Fünf junge Männer aus Pförten, die sich aus Liebe zur Hausmusik zusammengefunden haben, füllten die Pausen mit Musikvorträgen aus, die frisch und rein gespielt, reichen Beifall fanden. Die eigenartige Zusammenstellung der Instrumente – Geige, Flöte, Mandoline und Harmonika – erwies sich als durchaus glücklich und dem ländlichen Charakter der ganzen Veranstaltung angepaßt….                             

Leipe 2017


Die Heideschäferei

Östlich von Leipe gab es ein Forsthaus, genannt Heideschäferei, weil hier die Standesherrschaft bis 1864 eine Schafzucht betrieben hatte. Um 1850 soll das Gebiet der Schäferei 6 Mg umfasst haben 

(Quelle: Landbuch der Mark Brandenburg und des Margrafthums Niederlausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts). 

Auch dieses Grundstück ist verschwunden. Hohe Bäume stehen heute an der vermuteten Stelle.

Heideschäferei bei Leipe Foto: Sorauer Heimatblatt




Einwohnerverzeichnisse Leipe: (1928 fehlt)

Einwohnerverzeichnis Leipe 1938

 


Nablath/Nahberg

Das Dorf liegt ebenso nah bei Pförten wie Hoh-Jeser. Die wendische Schreibweise  Nablotto soll - laut Sorauer Heimatblatt -sich aus Na und Blotto = an dem Busche oder Buschdorf  zusammensetzen. Im Buch Ortsnamen der NL östlich der Neiße von Ernst Eichler und Christian Zschieschang wird eine andere Übersetzung genannt, nämlich na blot = Sumpf. Diese Deutung scheint  wahrscheinlicher, gibt sie doch einen Hinweis auf das morastige Gelände in unmittelbarer Nähe zum Groß- und Rehsackteich. Auf einer Karte aus dem Jahr 1937 ist allerdings nur der Groß-Teich eingezeichnet. Der Resack-Teich lag zwischen dem Groß-Teich und der Pförtener- Sommerfelder Chaussee. Heute sind beide Teiche nicht mehr durch einen Damm getrennt. Der Beobachter nimmt das Gewässer jetzt als Ganzes wahr. Rohrdrosseln, Fischreiher und verschiedene Arten von Tauchern waren früher hier zahlreich anzutreffen.                  

Nablath war bis 1912, als die Pförten - Teuplitzer Chaussee gebaut wurde, ein Sackgassendorf und nur durch einen Waldweg mit der Roggaischen Mühle  sowie durch eine Straße mit Pförten verbunden. 

Weil der Ortsname  eindeutig slawische Bezüge aufwies, wurde das Dorf am 11.11.1937 in Nahberg umbenannt (s. Kapitel Ortsnamen). Nachdem Pförten 1916 an das elektrische Stromnetz angeschlossen worden war, kann vermutet werden, dass  Nablath um 1919/20 elektrisch versorgt wurde.   Das Dorf zählte 37 Grundstücke. Zu Nahberg gehörte auch das südlich davon gelegene Vorwerk. Östlich des Vorwerks und südlich des Großen Teiches gab es eine Windmühle, die ebenfalls auf dem Territorium des Dorfes stand. Über beide habe ich keine näheren Erkenntnisse. Zwei weitere Mühlen gab es noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Hoh Jeser und im Südteil von Pförten.

Nahberg mit Hohem Vorwerk und Mühle















Einwohnerentwicklung

 

 

1708

5 Bauern, 9 Gärtner, 5 Büdner (48 Personen)

1718

18 Kossäten, 5 Häusler

1723

26 Feuerstellen

1777

19 Gärtner, 5 Büdner, 3 Häusler

1810

19 gärtner, 12 Häusler

1823

3 Großgärtner, 16 Halb-Gärtner, 4 Büdner, 8 Häusler (204 Einw.)

1840

221 Einwohner

1843

218 Einwohner, 31 Häuser

1933

179 Einwohner

1939

162 Einwohner


(Quelle für die Jahre 1708-1823: Patrimoniale Verfassung und Verwaltung der Standesherrschaft Forst und Pförten, Dr. R. Jocksch-Poppe; 1940 und 1843 
lt. Topografisch-Statistisch-historischem Lexikon 1846)

1836 wurde die Feldmark des Dorfes neu vermessen und 1843 trat die Diensteregulierung (Fronarbeit abgeschafft) in Kraft. Vor der Separation, der privaten Neuverteilung ehemals gemeinschaftlich genutzter Flächen, besaß das Dominium nur etwas Acker und die in unmittelbarer Nähe gelegenen Teiche. Dadurch erweiterten sich die Acker-,Wiesen- und Waldflächen beträchtlich.
Die Gemarkungsgröße belief sich 1869 auf 924 Morgen, 1900 auf 238 ha. 1938 werden 321 ha genannt. 
Als gesamte Feldmarkfläche werden 1938 für Nahberg 321 Hektar ausgewiesen.

Brühl ließ um Pförten herum, wo  ertragreiche Flöze vermutet wurden, von Oktober 1863 bis Juli 1864 Kohle-Probebohrungen durchführen, auch am Großteich bei Nablath. Doch die waren unergiebig und versprachen keinen Gewinn. Ebenso an anderen Stellen um Pförten herum (Bürgermeister-Weinberg  unter einer 19 Meter Sandschicht auf ein etwa 1,50 m starkes Kohleflöz; hinter dem Marienberge in  gleicher Tiefe eine noch geringe Ausbeute). (Quelle: E. Schwärzel Sorauer Heimatblatt 1966)

Im Forster Tageblatt von 1926 notierte der Naturkundige und Wanderer Paul Decker seine Eindrücke aus der Umgebung von Pförten. Dieser Bericht gibt einen Einblick in die Fauna und Flora rund um Nablath.

... Pförten hat eine klimatisch günstige Lage. Die Gewalt der rauhen Nordwinde wird einerseits durch den hohen und breiten Wall des Weinberges gebrochen, andererseits durch den  Abhang des Plateaus rückstauend gemäßigt…. Wir verlassen die Stadt in dem wir uns auf die Sommerfelder Chaussee begeben. Vor dem Friedhof biegen wir von dieser ab und schreiten an der nördlichen Friedhofsmauer entlang den Nablather Teichen zu. Im Großteich wächst ein recht selten vorkommendes Laichkraut (Potamogeton Zizii),  das aber wegen des tiefen Wassers nur schwer zu erreichen ist. Auf dem den Großteich und Resagteich trennenden Damme führt uns der Weg zwischen Brombeerhecken und zahlreichen Weidensträuchern hindurch nach den östlich liegenden Wiesen. Die angepflanzten Weiden sind keine alltägliche Erscheinung. Es handelt sich nämlich hier zumeist um die schöne, strauchartige Lorbeerweide, so genannt nach den breiten, stark glänzenden Blättern. .... Der Wiesenweg bringt uns an den Waldrand und  - immer die Richtung nach Osten verfolgend – über die Nablather Wiesen hinweg, schließlich an den vor der ehemaligen Neumühle gelegenen  Hochwald ....

Gemeindevorsteher war laut dem Einwohnerverzeichnis von 1928 der Großgärtner Franz Donath (Nr.6). Häusler Robert Heinz sowie der Großgärtner Franz Klauke sind als Schöffen aufgeführt. Im Verzeichnis von 1938 fehlen diese Funktionsbezeichnungen. Aus den Aufzeichnungen des letzten Pförtener Lehrers August Neumann, die er 1950 anfertigte, kennen wir jedoch den Namen des letzten Bürgermeisters. Danach war noch immer der Großgärtner Franz Donath im Amt. Im Zentrum von Nahberg, dort wo heute ein großes Kreuz mit der Mutter Maria steht, stand einst ein Kriegerdenkmal, welches an die Gefallenen des I. Weltkrieges erinnerte. Näheres dazu ist nicht bekannt.

Der Ort hatte eine Gaststätte, die in der Nähe des Trafohäuschens stand. Ihr gegenüber gab es ein sogenanntes Gemeindehaus mit mehreren Wohnungen. Hinter diesem Gebäude erhob sich ein Weinberg und darüber das Hohe Vorwerk der Standesherrschaft.

Opfer im I. Weltkrieg: Franz Finke


Opfer im II. Weltkrieg: Emil Finke, erschossen von russischen Soldaten im Februar 1945

Einwohnererzeichnis Nablath 1928
Nablath1928.pdf [47.2 KB]

Einwohnerverzeichnisse 


Einwohnerverzeichnis Nahberg 1938
Nablath 1938.pdf [189.1 KB]